IMGP0376Gestern und Heute in Schlesien

      Ei der Schläsing de Leute
      hoan eegnes Blutt,
      mucksch sein se heute
      un murne gutt.

      Ei der Schläsing de Leute,
      un doas ies woahr,
      hoan a Harz wie Geläute,
      su lieb un kloar.

      Un war doas Gebimmel
      ock recht verstieht,
      dam moanche goar hibsche
      Blume derblüht.

      Hermann Breiter

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Unsere Toten

Als Fundamente ruhen sie,
als stillgewordene Melodie,
dem Heimatboden eingesenkt,
ein Kraftstrom, der ins Leben drängt.

In uns als Totenerbe kreisen
Impulse, die nach Osten weisen.
Sie drängen zu dem Land der Ahnen,
verpflichten uns, ermuntern, mahnen.

Kläre Höhne

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Unser Beitrag zu 500 Jahren Reformation, das „Vaterunser“ auf schlesisch (gebirgsschlesisch)

Dos Vaterinser

Inse Voater daarde und Du bist eim Himmel,
geheilicht sool Dei Noame waarn.
Dei Reich mechte ock kumma,
 und alleene Dei Wille sool geschahn,
bei Dir uba druba eim Himmel
und oo bei ins hier unda uuf der Arde.
Bitte, Voater, gibb ins ock oo heute wieder inse Brut,
woas mer jeda Tag braucha.
Und tu ins inse Schuld vergahn,
denn oo mir wulln olla Leuta verzeihn,
diede sich ins gegenieber Schuld uufgeload`t honn.
 und tu uns ock nie ei Versuchung fiern,
 sondern tu uns vu ollem Biesa frei macha.
  Denn is Reich gehiert Dir und Du hust olle Kroft
 und Herrlichkeet ei Ewichkeet

Amen

Quelle: Arbeitskreis Archiv für Schlesische Mundart in Baden- Württemberg, Friedrich- Wilhelm Preuß, Eichenweg 12, 25365 Sparrieshoop 


Zweitauflage des „Schlesischen Kochstudio“ in Dorf Wehlen

Es hat geklappt mit der Fortsetzung der im letzten Jahr getesteten neuen Veranstaltung rund um die Schlesische Küche. 15 erwartungsfrohe Teilnehmer fanden sich am Mittag des 3. März in der Gaststätte „Zur alten Säge“ in Dorf Wehlen ein, darunter u.a. auch der zweite Vorsitzende der Bundeslandsmannschaft. Er weilte zu einem privaten Kurzurlaub in Dorf Wehlen. Die anhaltende Grippewelle verhinderte eine noch höhere Beteiligung. Im Vorfeld wurde der Wunsch laut, das Leibgericht der Schlesier zu kochen. So wurde das „Schlesische Himmelreich“ als Hauptgericht gesetzt. Außerdem verständigten wir uns auf Braunbiersuppe zur Vorspeise und den „Görlitzer Quarkauflauf“ zum Abschluß. Zusätzlich wollten wir die neue Fülle der schlesischen Weißwurst probieren. Gemeinsam mit unserem Mitglied und Fleischermeister Roberto Pusch versuchen wir, bis zum kommenden Weihnachtsfest eine eigene schlesische Weißwurst anzubieten.
Zu Beginn unseres gemeinsamen Kochens bildeten wir drei Gruppen, jede nahm sich eines Gerichtes an. Einzig der Kloßteig wurde von Frau Lehmann schon vorbereitet mitgebracht. Nun ging die Arbeit los und die Gruppen spielten sich schnell ein. 15 Köche in einer Küche, jeder Platz war belegt. Dank der Umsicht der versierten Hausherrin bekam jede Gruppe zur rechten Zeit alle nötigen Gerätschaften und Zutaten gestellt. Die Arbeit ging flott voran und vor 14 Uhr saßen wir gemeinsam an der langen Tafel und genossen unsere selbst hergestellten Speisen. Die Braunbiersuppe konnte vielleicht nicht jedermann überzeugen, war aber die Probe wert. Das „Schlesische Himmelreich“ mit den Klößen schmeckte allen vorzüglich. Erwähnenswert ist, daß der Kloßteig zu Rollen verarbeitet und dann in Scheiben geschnitten wurde. Es gab also keine runden Kließla. Ich kenne diese Art von meiner Oma väterlicherseits. Die Klöße durften gleich in der Tunke, wie der Schlesier sagt, des Himmelreiches gar ziehen und schmeckten dadurch noch intensiver. Vor dem „Kompott“ verkosteten wir die neue Rezeptur der Fülle für die schlesische Weißwurst. Es gab einhellige Zustimmung. Auch von unserem Quarkauflauf waren wir begeistert. Er bildete den krönenden Abschluß unseres Festmahles. Alle Rezepte des Tages können wieder angefragt werden. Ich verschicke diese gern an interessierte Leser per e- Post.                                                                                                                                 Eine ausgesprochene Überraschung bereitete der Auftritt eines Mitgliedes der „Basteifüchse“. Das Duo unterhält mit eigenen Liedern sowie Heimat- und Volksliedern. So hörten und sangen wir an diesem Nachmittag u.a. auch noch unser Schlesier- und das Rübezahllied. Es war wieder ein gelungener Tag, den wir gern in einem Jahr erneut veranstalten wollen. Der Schatzmeister unseres Landesverbandes wird sich für die großzügige Spende an die Vereinskasse freuen. Wir freuen uns über ein neues Einzelmitglied aus Görlitz! Alle Teilnehmer danken noch einmal ausdrücklich der Familie Pusch, die uns wieder ihre Küche und den Gastraum zur Verfügung stellten. Ohne diese wunderbare Unterstützung könnten wir so eine Veranstaltung nicht anbieten.
F.Scholz

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„Schlesisches Kochstudio“- neue Veranstaltung des Landesverbandes der LM Schlesien

Mit tatkräftiger Unterstützung der Wirtsleute Pusch hoben Mitglieder und Freunde des LV der LMS eine neue Veranstaltung aus der Taufe. Vielleicht der Beginn einer Tradition oder Reihe mit dem Namen „Schlesisches Kochstudio“. Am 02. März trafen wir 12 Neugierige uns in der Gaststätte „Zur alten Säge“ in Dorf Wehlen. Die Grippewelle hatte eine noch höhere Beteiligung kurzfristig vereitelt. Begrüßt wurden wir mit „Stonsdorfer“ Kräuterlikör und „Landskron“ Bier. Die Teilnehmer brachten eigene Rezeptvorschläge und deren Zutaten mit. Das Hauptgericht sollte Schlesischer Kartoffelsalat und Schlesische Bratwurst werden. Ein weiteres herzhaftes Gericht war Pökelfleisch mit Hirse und Sauerkraut. Weiterhin fanden Apfelklöße und die berühmten Mohnkließla Aufnahme ins Menü des Abends. Zunächst fanden sich drei Arbeitsgruppen zusammen. Die größte von ihnen schnitt vier Kilogramm gekochte Kartoffeln sowie Gewürzgurken, Äpfel, Möhren, Zwiebeln in kleine Würfel. Abgeschmeckt wurde mit Salz, Pfeffer, Gurkenwasser, Senf- zum Schluß wurde Fleischsalat zugefügt. Zur gleichen Zeit wurden die kleingeschnittenen Äpfel in den Kloßteig geknetet und daraus Apfelklöße geformt, die dann im kochenden Wasser gar wurden. Aufwendig war die Bereitung der Mohnklöße. Dazu mußte 400 Gramm Mohn frisch gequetscht werden, der dann mit Milch überbrüht wurde. Zugegeben wurde Rum, Mandeln, Nüsse, Rosinen, Zucker und etwas Zimt. Eine Schüssel wurde mit Weißbrotscheiben ausgelegt. Darauf kam ein Teil der flüssigen Mohnmasse mit Zutaten. Es folgte noch eine zweite und dritte Schicht. Dann kam die Schüssel für drei Stunden in die Kühlung. Pökelfleisch und Sauerkraut wurde nur noch einmal erwärmt, die Hirse gekocht. Dann brutzelten auch schon die Bratwürste in der Pfanne. Nach den anstrengenden Vorbereitungen konnten wir dann endlich die Plätze am Tisch einnehmen und das große Schlemmen begann. Bratwurst, Pökelfleisch, Apfelklöße und zum Schluß die süßen Mohnklöße. Ja-  die „Stonsdorfer“ Medizin wurde stark nachgefragt nach diesem Kalorienfest. So saßen wir noch eine ganze Weile zusammen und waren uns schnell einig. Das machen wir wieder!Schlesischer Kochabend 02.03.18 Wehlen 014
Schlesischer Kochabend 02.03.18 Wehlen 016 Schlesischer Kochabend 02.03.18 Wehlen 002
Übrigens: Wer an den Rezepten des Abends interessiert ist, meldet sich bitte bei uns. Gerne verschicken wir die Rezepte per e- Post an Sie.

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Im Sommer 2014 wurde mit Leserbriefen in der „Sächsischen Zeitung“ erbittert um das niederschlesische Gebiet in Sachsen gestritten. Einige „Oberlausitz- Verfechter“ unterstellten den Autoren der Sächsischen Verfassung sogar  eine „Verfassungslüge“. Auf dem Höhepunkt des Streites schrieb Volker Schimpff, einer der Verfassungsautoren, am 30.07.2014 den folgenden Brief. Ihn dürfen wir mit seiner Genehmigung auf unserer Netzseite veröffentlichen.
Friedemann Scholz, 14.09.2016

WWW.SZ-ONLINE.DE/KULTUR
MITTWOCH
30. JULI 2014
SÄCHSISCHE ZEITUNG
Von wegen Lüge: Einer der Autoren der Sächsischen Verfassung verteidigt den Platz Schlesiens in Sachsen
Von Volker Schimpff
Eine Verfassung für alle
Seit fast zwei Wochen tobt im Sommerloch ein Streit um das niederschlesische Gebiet in Sachsen. Im Interview mit Bernd Raffelt und in Leserbriefen war sogar von einer „Verfassungslüge“ die Rede. Das ist schon starker Tobak. Ich war von 1990 bis 2004 Vorsitzender des Verfassungs- und Rechtsausschusses des Sächsischen Landtages und damit auch 1990 bis 1992 des Ausschusses der Verfassungsgebenden Landesversammlung, in dem unsere Landesverfassung erarbeitet wurde. In ihr heißt es in der Präambel „Anknüpfend an die Geschichte der Mark Meißen, des sächsischen Staates und des niederschlesischen Gebietes …“, und im Artikel 2 bestimmt der vierte Absatz: „Im Siedlungsgebiet der Sorben können neben den Landesfarben und dem Landeswappen Farben und Wappen der Sorben, im schlesischen Teil des Landes die Farben und das Wappen Niederschlesiens, gleichberechtigt geführt werden.“ Nebenbei: Anders, als Raffelt als „Verfassungslüge“ angibt, steht in der Verfassung des Freistaates Sachsen nirgendwo etwas von einer „niederschlesischen Oberlausitz“, sondern von der Geschichte des „niederschlesischen Gebietes“ und vom „schlesischen Teil“ Sachsens. Die sächsische Verfassung ist 1990 bis 1992 in einem langen, offenen Prozess erarbeitet worden. In diesen Beratungen haben sich die Angeordneten und ihre juristischen Sachverständigen nicht nur um größtmögliche Einigkeit untereinander bemüht, sondern vor allem um größtmögliche Akzeptanz im Volk und um völlige verfassungsrechtliche Wahrheit und Klarheit. Dazu gehörte es auch, die Identität der Menschen in jenem Teil des Landes zu berücksichtigen, der nie zur Mark Meißen und erst seit 1945 zu einem Land Sachsen gehört. Das gehörte ebenso dazu wie viele andere Änderungen gegenüber dem ersten veröffentlichten Entwurf, in dem die Sorben ja auch nur als Minderheit standen; erst in der Verfassung konnten sie als Volk und Teil des sächsischen Staatsvolkes berücksichtigt werden. Es ist folgerichtig, dass die Verfassung deshalb auch die Beflaggungsrechte eingeräumt hat: Gleichberechtigt Farben und Wappen der Sorben im Siedlungsgebiet der Sorben, die Farben und das Wappen Niederschlesiens im schlesischen Teil des Landes. Mit diesen Bestimmungen wurde durch die Verfassung des Freistaates Sachsen den berechtigten Interessen der Menschen in Sachsen Rechnung getragen, die sich dem sorbischen Volk zugehörig fühlen oder die im früheren (nieder)schlesischen Landesteil wohnen; manchmal trifft ja sogar beides zu. Die Verfassung betont in ihrer Präambel, dass der wiedererstandene Freistaat Sachsen aus der Tiefe seiner Geschichte, auch seiner nichtsächsischen Geschichte schöpft. Mal schlesisch, mal sächsisch. Tatsächlich lagen die Lausitzen jahrhundertelang außerhalb Schlesiens, aber ebenso (nachdem sie 1635 von den Habsburgern an die albertinischen Wettiner abgetreten waren) außerhalb des sächsischen Kurstaates. Selbst nach der Bildung des Königreiches von Napoleons Gnaden wurde erst ab 1811 versucht, die Lausitzen mit den Erblanden zu vereinigen, und 1815 mussten die Niederlausitz und der nordöstliche Teil der Oberlausitz an Preußen abgetreten werden. Das hatte Folgen: Administrativ wurde Preußen 1816 in Provinzen gegliedert, die Niederlausitz gehörte seither (und bis heute) zu Brandenburg, dem damals auch Hoyerswerda zugeschlagen wurde, der größere Teil der nordöstlichen Oberlausitz kam zu Schlesien. Diese Provinzen bekamen 1825 eigene Provinziallandtage, aber es wurden auch untergeordnete regionale Vertretungen, die Kommunallandtage, erlaubt, so auch der Kommunallandtag der schlesischen Oberlausitz. Was die meisten der nun zu preußischen Staatsbürgern und schlesischen Provinzialangehörigen gewordenen Menschen mehr bewegt haben dürfte: 1819 wurden in den zu Preußen gekommenen Gebieten die Stein-Hardenbergschen Reformen eingeführt und dadurch die Bauern in der schlesischen Ober-lausitz aus der Erbuntertänigkeit befreit –dem Oberlausitzer Adel unter der sächsischen Krone blieben seine Leibeigenen noch bis in die dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts erhalten. In ihren großen Titeln nannten sich nun der König von Preußen „souveräner und oberster Herzog von Schlesien wie auch der Grafschaft Glatz“ und weiter hinten auch „Markgraf der Ober- und Nieder-Lausitz“, aber auch der Kaiser von Österreich trotz der Abtretungen von 1635 (Lausitzen), 1742 (Schlesien bis auf einen kleinen Rest) und 1809/1845 (Schirgiswalde) „Herzog von Ober- und Niederschlesien“ und weiter hinten „Markgraf von Ober-und Niederlausitz) und zeigten die entsprechenden Wappen. Erst 1918 verschwand schlagartig dieser jahrhundertealte feudale Glanz. Bereits 1919 wurden aus der Provinz Schlesien zwei Provinzen gebildet, Niederschlesien aus den Regierungsbezirken Breslau und Liegnitz (u. a. mit Görlitz) und Oberschlesien aus dem Regierungsbezirk Oppeln. Um sie gegen polnische Gebietsansprüche zu stärken, sollte so den zum Teil slawisch-sprachigen Oberschlesiern eine größere Autonomie ermöglicht werden; von 1939 bis 1941 legten die Nationalsozialisten in genau entgegengesetzter Absicht beide Provinzen wieder zusammen. 1945 bildete die Sowjetische Militäradministration aus dem bisherigen Sachsen (allerdings ohne den Oberlausitzer Landstrich östlich von Zittau) und den westlich der Neiße liegenden Teilen des Regierungsbezirks Liegnitz das Land Sachsen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Auf ihm beruht der heutige Freistaat Sachsen. Östlich der Neiße gibt es nach mancherlei Umorganisationen heute die Woiwodschaften Niederschlesien (aus der früheren Provinz), Oppeln und Schlesien (die aber außer oberschlesischen auch kleinpolnisches Gebiet einschließt). Die Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat Sachsen mit seinem (nieder)schlesischen Landesteil und der Woiwodschaft Niederschlesien ist gut –dass es östlich und westlich der Neiße niederschlesisches Gebiet und schlesisches Erbe gibt, hat angespornt, aber in ihr niemals zu den mindesten Irritationen geführt. Solche Aufregungen bringt offenbar nur das Kuratorium „Einige Oberlausitz“ hervor. Und einige der ihm folgenden Leserbriefschreiber versprühen leider Gift und Galle. Das dürfen sie – denn in unserer Verfassung steht auch die Meinungsfreiheit. Das heißt, man darf auch Unwahrheiten äußern; allerdings sollten sie weder beleidigend noch herabsetzend sein. Der okkupatorische Eifer, dem schlesischen Landesteil seine Identität zu nehmen, ist für die Menschen mit dieser Identität herabsetzend. Weder in der sächsischen noch in der schlesischen Lausitz ist den Menschen mit solchem eifernden Chauvinismus gedient. Wer sich in Plauen nicht als Sachse, sondern als Vogtländer, in Rothenburg nicht als Schlesier, sondern als Lausitzer, oder Bautzen nicht als Oberlausitzer, sondern als Sachse fühlen möchte, kann das jederzeit; tatsächlich schließen sich diese Identitäten aber auch gar nicht aus. Man kann sich zugleich als Sorbe und Deutscher, Obersorbe und Oberlausitzer, Sachse und Schlesier, Europäer und Christ definieren, ohne eine gespaltene Persönlichkeit zu sein – und das ist gut so.
Unser Autor Volker Schimpff, (59), hat in Wittenberg Vor-und Frühgeschichte studiert, war Lehrer und von 1991 bis 2004 Landtagsabgeordneter (CDU). Heute ist er Publizist.

 

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