IMGP0376Gestern und Heute in Schlesien

      Ei der Schläsing de Leute
      hoan eegnes Blutt,
      mucksch sein se heute
      un murne gutt.

      Ei der Schläsing de Leute,
      un doas ies woahr,
      hoan a Harz wie Geläute,
      su lieb un kloar.

      Un war doas Gebimmel
      ock recht verstieht,
      dam moanche goar hibsche
      Blume derblüht.

      Hermann Breiter

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Unsere Toten

Als Fundamente ruhen sie,
als stillgewordene Melodie,
dem Heimatboden eingesenkt,
ein Kraftstrom, der ins Leben drängt.

In uns als Totenerbe kreisen
Impulse, die nach Osten weisen.
Sie drängen zu dem Land der Ahnen,
verpflichten uns, ermuntern, mahnen.

Kläre Höhne

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Unser Beitrag zu 500 Jahren Reformation, das „Vaterunser“ auf schlesisch (gebirgsschlesisch)

Dos Vaterinser

Inse Voater daarde und Du bist eim Himmel,
geheilicht sool Dei Noame waarn.
Dei Reich mechte ock kumma,
 und alleene Dei Wille sool geschahn,
bei Dir uba druba eim Himmel
und oo bei ins hier unda uuf der Arde.
Bitte, Voater, gibb ins ock oo heute wieder inse Brut,
woas mer jeda Tag braucha.
Und tu ins inse Schuld vergahn,
denn oo mir wulln olla Leuta verzeihn,
diede sich ins gegenieber Schuld uufgeload`t honn.
 und tu uns ock nie ei Versuchung fiern,
 sondern tu uns vu ollem Biesa frei macha.
  Denn is Reich gehiert Dir und Du hust olle Kroft
 und Herrlichkeet ei Ewichkeet

Amen

Quelle: Arbeitskreis Archiv für Schlesische Mundart in Baden- Württemberg, Friedrich- Wilhelm Preuß, Eichenweg 12, 25365 Sparrieshoop 

Die Kropftauben aus Schlesien!

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Als Bekenntnisschlesier mit schlesischen Wurzeln und aktiver Rassentaubenzüchter möchte ich Ihnen diesen Zweig schlesischer Kultur etwas näherbringen. Schlesien war ein vielfältiges Land mit einsamen Waldlandschaften, Gebirge, kleinen und großen Dörfern im Umland der Kreisstädte.
Man fand Industrie, Gewerbe und Handel in einem gesunden Verhältnis zueinander. Den Motor des Landes bildete aber auch auf breiter Ebene eine in Jahrhunderten gewachsene bäuerliche Kulturlandschaft.
Ich glaube die vertriebenen schlesischen Bauern der Nachkriegsjahre wanderten voller Wehmut und Sehnsucht in Ihrer versunkenen Welt und träumten manche Nacht von erntereifen Weizenfeldern im Sommer und hochgeladenen Rübenkarren im Herbst.
Auf diesen kleinen und großen Bauernhöfen sowie auch auf den großen Gutsbetrieben war eine Taubenhaltung seit alter Zeit traditionell verankert, und genau von diesen schlesischen Kröpfern, die einst in Schlesien von Bauern, Gutsbesitzern und Handwerkern erzüchtet und geliebt wurden möchte ich nun berichten.
Vorwort 
Bereits Robert Oettel, Gründer unserer organisierten Rassengeflügelzucht, und sein Schwiegersohn August Kienitz waren durch die Freundschaft zu Alfred Fechner, dem späteren Vereinsgründer und Schriftführer der Züchtervereinigung, aber auch durch viele Züchterbesuche in der Region Görlitz, Guhrau, Schweidnitz, Breslau, Reichenbach bis nach Gleiwitz und Beuthen über den Strand der Schlesischen Kröpferzucht informiert und immer interessiert. Allerdings macht man in gehobenen Kreisen kein großes Aufsehen um diesen Bauerkröpfer, der zwar überall bekannt und beliebt war, aber mit jenen überaus eleganten Kropftauben aus England und Frankreich nicht mithalten konnte. Über Jahrzehnte wurde Görlitz auch nach dem Ableben von Oettel, ein wichtiger Ausstellungs- und Informationsort der Schlesischen Kröpferzucht. Dies geht ja auch aus der Gründungsgeschichte der ZV hervor.
Jahre später war es Dr. Trübenbach, Preisrichter und Kenner von Kropftauben, der sich besonders für die Schlesier stark machte und neue Akzente setzte. Seine Leistungen und Bemühungen wurden durch die Ernennung zum Ehrenmitglied der 1913 gegründeten Züchtergemeinschaft gewürdigt.
Nach 1920 zeigte überregional reichende Werbung durch Rasseberichte und Vereinsmitteilungen in den Fachzeitschriften durch A. Fechner, Dr. L. Friese und nach 1945 von den Zuchtfreunden Weinhardt, Hanitzsch, Hilger, Gerhard und vieler hier ungenannter Züchterpersönlichkeiten große Wirkung. Die Schlesischen Kröpfer wurden in allen Rassen und Farbanschlägen in die Öffentlichkeit getragen, beachtet und anerkannt. Umso erstaunlicher, dass bisher noch keine zusammenfassende Abhandlung veröffentlicht wurde.
Nachstehende Rassenvorstellung soll in Aufklärung und Mitteilung über den Schlesischen Kröpfer in erster Linie den weniger erfahrenen Züchtern und neuen Liebhabern dienen. Die Formvermischungen zu anderen Kröpferrassen müssen erkannt werden und auch bei älteren Züchtern zu neuen Aktivitäten und Erkenntnissen führen.
Auch nach mehr als 50 Jahren aktiver Züchter- und Verbandsarbeit konnte ich die hier angesprochenen Themen mit Sicherheit nicht lückenlos, vollständig und endgültig erläutern. Dazu ist die Problematik der Schlesischen Kröpferzucht viel zu umfangreich.
Dem Verlag Ortel+ Spörer danke ich für die Möglichkeit, den Schlesischen Kröpfer in der Schriftenreihe für die Taubenzucht vorstellen zu können. So hoffe ich, dass diese Abhandlung die gewünschte Aufnahme bei vielen Züchtern findet und dem Schlesischen Kröpfer als edler Rassetaube weitere Beachtung zuteilwird.
Herkunft und Verbreitung
Seit hunderten von Jahren sind Kropftauben in ihrer ständig zunehmenden Rassezahl bekannt und wurden vielfach beschrieben. Besonders in den letzten 60 Jahren sind wissenswerte Abhandlungen über Herkunft, Entwicklung und Verbreitung der Kropftauben von anerkannten Autoren und erfolgreichen Züchtern veröffentlicht worden. Nutzbringende Erkenntnisse und Hinweise für den aktiven Kröpferzüchter der jetzigen Generation können in den Fachbüchern von E. Zurth, K. Lockenvitz und H. Marks und den sehr informativen Werken „Die Welt der Rassetauben“ sowie „Alles über Rassetauben“ von E. Müller nachgelesen werden. Auch in diesen doch so aussagekräftigen Fachbüchern kann aber keine absolute Klarheit über die Herkunft der Rasse gegeben werden.
Vor dem 20. Jahrhundert wurde nur recht spärlich und vor allem vermutend auf den Schlesischen Kröpfer und seine Existenz eingegangen. Auch Prütz erwähnt 1876 zwar unseren altbekannten „Elsterkröpfer“, geht aber nicht weiter auf Schlesische Kropftauben ein, obwohl der Elster den gleichen Ursprung wie der Schlesier hat. Bereist 1869 berichtete Neumeister von Plätscher Kropftauben, wobei es sich sicherlich um Steller oder Steiger handelte. Das „Prachtwerk sämtlicher Taubenrassen“ von Schachtzabel aus dem Jahr 1909 wurde besonders im Bildmaterial und durch seine bisher einmalige Abbildung als Grundlage der ersten provisorischen Musterbeschreibung Schlesischer Kropftauben ein Jahr nach der Vereinsgründung der Züchtervereinigung von 1913 herangezogen. Die Herkunft der Schlesischen Kroptauben ist mit Sicherheit auf das Gebiet Böhmen und Mähren zu beschränken und der Ursprung der Rasse glattfüßigen mittelgroßen Deutschen Kröpfer zuzuschreiben. Auch sollte man sich hüten, die Erzüchtung der einzelnen Schlesierrassen nur unserer Nation anzudichten. In mehr als 500 Jahren der uns bekannten Kropftaubenexistenz sind die wechselnden Gebietsansprüche verschiedener Nationen – dies betraf vornehmlich das Terrain Böhmen/ Mähren/ Schlesien – geschichtlich benannt. So waren mit großer Wahrscheinlichkeit nicht nur die Deutschen, sondern auch Züchter aus Österreich, Tschechien und Polen an ihrem Erhalt und der Weiterverbreitung beteiligt.-
Unbestritten ist, dass die Schlesischen Züchter Rohlinge aufgenommen haben und durch Züchterfleiß, Geduld und große Opfer feinste Rassetauben und sehr viele schöne Farbenschläge erzüchtet und geformt haben. Dies bestätigte auch E. Zurth in der Buchreihe „Unsere Tauben – Kropftauben“. In der Geschichte der Weißplatten konnte er mitteilen, Lehrer Jäger aus Eulau in Böhmen sagte 1908, dass dieser Kröpfer, gemeint waren Weißplatten, seit ungefähr 150 Jahren in Mähren heimisch sei und zwischen 1830 und 1840 nach Schlesien gebracht wurde. Viel – aber doch wenig aussagend – wurde über die Herkunft der Schlesischen Kröpfer geschrieben und verbreitet. Die richtigen und auch glaubhaften Worte von Hanitzsch (1961) brachte Marks 1985 in einer sicher zutreffenden Schilderung über die Herkunft der Rasse zu Papier. „Die Schlesischen Kröpfer gehören zu einer sehr alten, in mehreren Unterarten und Arten vorkommenden Kröpferform. Die alte, mittelgroße deutsche Kropftaube ist deren direkter Vorfahre. Ihr Verbreitungsgebiet war Mitteleuropa, wo vor allem die Landbevölkerung diese Taube hielt. Sie waren etwas grob, massig in ihrem Äußeren mit verschiedenen Kropfformen, glattköpfig, behaubt, stets glattfüßig, vital, fruchtbar und fluggewandt. Eigen war ihnen jedoch ein reichhaltiges Farb- und Zeichnungsspiel. Durch Verschiedenheit in einzelnen Zuchtgebieten ergaben sich nach und nach wesentliche Unterschiede von anderen Rassen, die durch Geschmack und Phantasie der damaligen Züchter beeinflusst, zu Neuem entwickelt worden sind.“
Hier kann man Hanitzsch nur anerkennend beipflichten. Wie heute allgemein bekannt, bildeten sich für die einzelnen Schlesischen Kröpferrassen Zuchtzentren. So hatte der Schalaster in der Gegend von Rubnik, Pleß, Leoschütz und Katschern seine größte Verbreitung. Nicht weit weg waren im oberschlesischen Industriegebiet die Starwitzer zu Hause. Die Weißplatten hatten um Breslau ihre größte Verbreitung, waren aber auch bis an das Katzengebirge in Trebnitz, Guhrau und nach dem Ersten Weltkrieg in Westdeutschland anzutreffen. Die Einfarbigen und Schimmel fanden um Langenbielau und in den Dörfern am Rande des Eulengebirges besonders viele Liebhaber, und man sprach nach Fechner oft von Schlesiertälern. Nicht unerwähnt sollen aber auch die Steiger- und Elsterkröpfer bleiben.
August Wiesner, Schweidnitz, später wohnhaft in Witten an der Ruhr, ein hervorragender Kenner und Preisrichter der Schlesischen Kropftauben seit 1920, verkündete anlässlich der 50. Nationalen in Dortmund 1968 auf Nachfrage stolz, Steiger und Elstern gab´s bei uns in Schlesien in jedem größeren Dorf, Junge! Und so wird es wohl gewesen sein!
Bis Ende des 19. Jahrhunderts hatte es aber laut Lesch den Anschein, dass die heimischen Kröpferzucht rückläufig ist oder vernachlässigt wurde. Die eingeführten hochstehenden und eleganten Englischen und Französischen Kröpfer waren begehrt und wurden sehr beachtet. Sie brachten aber auch die heimische Kröpfergilde in Unruhe. Besorgnis um den Erhalt der alten Rasse machte sich über weite Teile ihrer Verbreitungsgebiete bemerkbar und führte zu neuem Leben und zur Gründung vieler Züchtervereinigungen der deutschen Kröpfer – wie bekannt aus den Reihen der Schlesischen Kröpfer: die Steigerkröpfer im Jahr 1906, denen nur ein Jahr später die Elsterkröpfer folgten sowie für die gesamten heimischen Kröpferrassen (nachfolgend beschrieben) 1913.
Besonders nach dem Ersten Weltkrieg fanden die Schlesischen Kröpferrassen eine zuvor nie geahnte starke Verbreitung und wurden mehr und mehr in fast allen Teilen Deutschlands bekannt. Sie waren als sehr fruchtbare und vitale Rassetauben begehrt. Die ständig zunehmende Zahl von Rasseveröffentlichungen in den Fachzeitschriften und wesentliche Verbesserungen markanter Rasenmerkmale führten zu großer Beliebtheit als Ausstellungstaube.
Die erste Musterbeschreibung wies allerdings nach wenigen Jahren deutliche Unklarheiten auf. Dies betrafen im Wesentlichen das Blaswerk und die Schenkelfreiheit. Selbst Lesch veröffentlichte 1926 noch die alte Musterbeschreibung, in der ja das Blaswerk flaschen- oder walzenförmig zitiert wird. Die idealisierten Darstellungen zeigen aber bereits eine deutliche Taillenbildung. Auch die bisherige Auslegung der Schenkel: „gut abgedeckt“, entsprach nicht mehr der Zielsetzung einer aufrecht- stehenden Taube. 1930 wurde durch den ZV- Vorsitzenden Dr. Friese eine der Zuchtentwicklung entsprechende neue Musterbeschreibung beim Bund eingereicht. Diese wurde zwei Jahre später anerkannt und ist bis auf geringe Abänderungen noch heute Leitfaden aller Züchtertätigkeiten für den Schlesischen Kröpfer. Trotz aller Schwierigkeiten nach 1933, hierüber berichtete Paul Doll in „100 Jahre BDRG“ sehr ausführlich, verbreitete sich der Schlesische Kröpfer über fast alle Landesteile in Deutschland und wurde von Jahr zu Jahr beliebter. Viele schlesische Züchter beschickten unter heute nicht mehr vorzustellenden finanziellen Opfern Bundes- Siegerschauen, ja selbst bis nach Essen, und warben für die Rasse.
Außerhalb Schlesiens bildeten sich Zuchtzentren mit großer Werbewirksamkeit durch überaus aktive Züchterpersönlichkeiten. Sie waren es, die nach 1945, dem Verlust von Schlesien und damit fast aller Zuchten, den Aufbau einleiteten. In allen Zonen des aufgeteilten Deutschlands fanden Flüchtlinge und Heimatvertriebene ein neues Zuhause. So wie Erich Tulke aus Osterode immer sagte, die Heimat haben wir für immer verloren, aber unsren Schlesischen Kröpfer kann uns niemand nehmen! Das große Leid vieler Menschen wurde zum großen Glück für die Rasse der Schlesier. Nicht nur die alten Züchter, sondern mehr und mehr heimische Taubenliebhaber fanden Gefallen an den Schlesischen Schönheiten.
In nur wenigen Jahren hatte der Schlesier überall in Deutschland gefestigte Zuchten, wurde rassisch verbessert und zu einer gern gezüchteten und sehr beliebten Rassetaube geformt. Jahre nach dem Niedergang des dritten Reiches haben die Schlesischen Kröpfer nicht nur in Deutschland eine neue Heimat gefunden. Ihre Beliebtheit und große Verbreitung bekunden viele Rassegeflügelschauen mit zahlreicher Beschickung insbesondere aber die wichtigsten Sonderschauen mit oft mehr als 1000 Tieren. Was würde wohl Dr. Lothar Friese zur Entwicklung seiner so sehr geliebten Kröpfer sagen? Noch 1938 schrieb er in der Geflügel- Börse aus Besorgnis um die Rassen: „Aber der letzte Kraftquell liegt noch anderswo. Im schlesischen Heimatboden. Ein Loslösen unserer Kröpfer vom Schlesierland würde ihren allmählichen Untergang zur Folge haben!“
Hier irrte Dr. Friese. Zum Glück hatte er die Kraft und den unbändigen Erhaltungswillen der Rasse unterschätzt. Die Anpassungsfähigkeit der Rasse aber auch die der alten Züchter, haben zu einer nicht erwarteten Verbreitung geführt. Und so fliegen sie heute wieder überall im deutschen Vaterland. Schlesische Kropftauben werden aber überwiegend in Volieren gepflegt, gezüchtet und für nachfolgende Generationen erhalten.
Andreas Klose

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Schömberger Würstchen?
Als in der Märzausgabe der Zeitschrift „Schlesischer Gottesfreund“ ein wunderbarer Artikel über Schlesiens bekannteste Speisen erschien, wurde ich mal wieder neugierig. Besonders die Würste interessierten mich, hatte ich doch von den „Schömbergern“ und den „Schweidnitzer Kellerwürsteln“ noch nicht gehört. Oppelner, Jauersche und die schlesischen Weißwürste sind mir bekannt, doch die beiden erstgenannten? Ich bat als erstes in einem Leserbrief der Heimatzeitung „Schlesischer Gebirgsbote“ um Hinweise, was „Schömberger Würstel“ sind. Ich bekam tatsächlich drei Anrufe von Heimatfreunden, die mir viel Wissenswertes über diese Spezialität berichten konnten. Den drei Herren Rösner, Wittig und Schal möchte ich auf diesem Wege auch noch einmal herzlichen Dank sagen. Mit Herrn Schal habe ich dadurch noch einen Brieffreund gefunden, der mit seinen 99 Jahren eine wahre Fundgrube der Erinnerungen ist.
 Hier eine kurze Zusammenfassung meiner „Ermittlungen“ für Ihre Leser. Die „Schömberger“ sind Würste die über Tannenzapfen geräuchert wurden. Sie sind eine Art Bockwurst, aber kleiner und kommen paarweise auf den Teller. Erfunden hat sie 1834 Bernhard Springer von der Fleischerei Springer am Markt (Haus Nr. 16) in Schömberg. Ein anderer Anrufer schrieb die Erfindung einem Fleischermeister Reinhold Hoffmann, ebenfalls am Markt (Haus Nr. 11) ansässig, zu. Reinhold Hoffmann hatte in der Fleischerei Springer gelernt. Die Würstchen wurden ein Markenzeichen der Stadt, alle ansässigen Fleischereien boten sie in hoher Qualität an und wurden in alle Welt verschickt.Die Fleischerei Hoffmann spielte hier scheinbar eine dominierende Rolle. Nach der Vertreibung aus der Heimat soll die Familie komplett nach Kanada ausgewandert sein. Die Chefin ist jedoch mit einer Tochter wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Zum Rezept der „Schömberger Würstchen“ soll nur die Chefin und der Obergeselle Zugang gehabt haben. In Walsrode gab es bis 2014 eine Fleischerei Hoffmann. Ernst Hoffmann, später Reinhard (Enkel von Reinhold) Hoffmann stellten die Würstchen noch her. In den letzten Jahren aber nur noch für den Eigenbedarf im Familienverbund. Eine Herstellung für die gesamte Kundschaft lohnte wegen der hohen Produktionskosten nicht. Ernst Hoffmann verstarb 2014. Mit Reinhard Hoffmann habe ich zwischenzeitlich telefoniert. Er konnte mir das Rezept nicht verraten. Sein Vater hielt es nicht schriftlich fest sondern bewahrte es nur im Kopf.
 Auch die Witwe des Fleischermeisters Springer konnte mit Hilfe des Landeshuter Arbeitskreises ausfindig gemacht werden. Sie wohnt hochbetagt in Leipzig. Ein Rezept zum „Schömberger Würstel“ konnte auch sie leider nicht verraten. Dafür ließ sie durch Ihre Enkelin die beiden Bilder schicken.

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Es wäre interessant zu wissen, ob das Rezept der Schömberger Berühmtheit noch irgendwo aufzutreiben ist.  Jetzt verkauft Adam Antas in den 12-Apostel-Häusern vor Ort die Würstchen eingeschweißt zum Mitnehmen. Es wäre interessant, nach welcher Rezeptur diese hergestellt werden.
Die geschichtlichen Daten scheinen gesichert. In einer Beilage zum „Landeshuter Tageblatt“ (Schlesische Heimat- Monatsblätter für Heimatfreunde und Heimatstolz, Nr. 8/ 1934) wird des 100- jährigen Geburtstages der Würstchen und seines Erfinders Springer gedacht.    Vielleicht kommen aus der Leserschaft Berichtigungen und Ergänzungen. Darüber würde ich mich sehr freuen. Ich habe die Zusammenfassung nach bestem Wissen und Gewissen erstellt.
Und welche Besonderheit sind „Schweidnitzer Kellerwürste“? Haben sie etwas mit der Gastwirtschaft im Breslauer Rathaus zu tun? Das ist die neue Frage. Helfen Sie mir dabei?

Friedemann Scholz

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Ansichtskarte des Landesverbandes der LM Schlesien erschienen

Karte

Mit dieser Ansichtskarte wollen wir darauf aufmerksam machen, daß noch ein Teil des historischen Schlesiens in Sachsen besteht. Viele Menschen im Land sind sich dessen nicht bewußt. Die Vorderseite zeigt die Landeskrone in Görlitz mit Blick auf das Isergebirge, sieben schlesische Städte in Sachsen und historische preußisch- sächsische Grenzsteine. Außerdem ist das Logo unseres Verbandes zu sehen. Auf der Rückseite wird das Goethe Zitat, „diesem zehnfach interessanten Lande“, erläutert. Schicken Sie Grüße durch Deutschland und machen Sie neugierig auf Schlesien.  Die Ansichtskarte ist nicht nur für Schlesien- Interessierte gedacht.
 Erhältlich ist sie zum Spenden- Stückpreis von 1,00 € beim Landesvorstand (Friedemann Scholz, Wöhlerst.22, 01139 Dresden, 0351-8482900 oder friedemann-scholz@web.de) Empfohlen werden Bestellungen in 10-er Stückzahlen.
Friedemann Scholz

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Mitglieder des LV der LM Schlesien als Bäckerlehrlinge

Mitglieder des Landesverbandes der LM Schlesien besuchten am 7. März den „Hübner- Bäcker“ in Horka- bekannt durch seine hochwertigen schlesischen Backwaren. Schon seit dem Herbst vergangenen Jahres gab es die gemeinsame Idee von Armin Hübner (inzwischen Mitglied in unserem Verein) und dem Landesvorsitzenden, einen solchen Besuch mit einem kleinen „Backkurs“ aufzuwerten. Gemeinsam einen Streusel- oder Mohnkuchen backen, etwas ganz Neues für unsere Mitglieder- aber auch für den Bäckermeister. An diesem Märztag wurde die Idee nun Wirklichkeit.  16 Teilnehmer, darunter vier Kinder, waren der Einladung gefolgt und trafen sich in der Backstube. Zwei Gruppen wurden gebildet. Die eine wollte den Mohnkuchen, die andere den Streuselkuchen backen. Schürzen wurden angelegt und die „Arbeit“ begann. Eigentlich bestand die Aufgabe darin, auf den vorbereiteten Boden den Belag aufzubringen. Armin Hübner hatte mit seinem Vater schon den Teig dafür bereitet und die Formen damit ausgelegt. Auch der Streuselteig stand schon bereit. Eine Zubereitung der beiden Teige hätte den Zeitrahmen der Veranstaltung gesprengt. Unter fachkundiger Aufsicht erfüllten beide Gruppen ihre Aufgaben und die Kuchen verschwanden im Backofen. Unser „Lehrmeister“ spendierte für alle einen großen runden Streuselkuchen und Kaffee, ein wahrer Genuß nach getaner Arbeit.
Die Backzeit von knapp 50 Minuten nutzten wir zu einem Besuch der historischen Wehrkirche in Horka. Pfarrer Schwäbe führte uns sehr sachkundig durch seine Kirche und der sie umgebenden Wehrmauer. So ein Kleinod hätten wir nicht erwartet. Diese Kirche, die aus einer Burg mit einer kleinen Kapelle entstand, ist einen Besuch wert. Sogar eine kleine Gruft kann da bei einer Führung besichtigt werden. Die größten Schätze verbergen sich in den kleinen Orten abseits der Hauptstraßen.
Nach unserer Besichtigung kehrten wir in die Backstube zurück und nahmen unsere Kuchen in Empfang. Alle waren gelungen und dufteten herrlich. Sie wurden verpackt und kamen schon am nächsten Tag bei uns zu Hause auf die Kaffeetafel. Der Landesvorsitzende dankte Armin Hübner mit seinen Eltern für die gelungene Veranstaltung und Gastfreundschaft. Er überreichte ihnen einen Siphon mit drei Liter „Watzke- Pils“ zum „Mehlstaubbinden“ und sechs Probierfläschchen schlesischer Spirituosen. Wir verabredeten, im Herbst oder Anfang des nächsten Jahres einen Brotbackkurs zu veranstalten und dazu hausgemachte Wurstwaren unseres Mitglieds Roberto Pusch zu verkosten.

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Anschließend verbrachten wir in gemütlicher Runde den Abend mit einem deftigen Essen und einem kräftigen Schluck im Schankhaus „Zum Nachtschmied“. Diese Gastwirtschaft ist immer einen Besuch wert und enttäuschte uns auch diesmal nicht. Zufrieden mit diesem erlebnisreichen Tag, traten wir die Heimreise an.

Friedemann Scholz



Zweitauflage des „Schlesischen Kochstudio“ in Dorf Wehlen

Es hat geklappt mit der Fortsetzung der im letzten Jahr getesteten neuen Veranstaltung rund um die Schlesische Küche. 15 erwartungsfrohe Teilnehmer fanden sich am Mittag des 3. März in der Gaststätte „Zur alten Säge“ in Dorf Wehlen ein, darunter u.a. auch der zweite Vorsitzende der Bundeslandsmannschaft. Er weilte zu einem privaten Kurzurlaub in Dorf Wehlen. Die anhaltende Grippewelle verhinderte eine noch höhere Beteiligung. Im Vorfeld wurde der Wunsch laut, das Leibgericht der Schlesier zu kochen. So wurde das „Schlesische Himmelreich“ als Hauptgericht gesetzt. Außerdem verständigten wir uns auf Braunbiersuppe zur Vorspeise und den „Görlitzer Quarkauflauf“ zum Abschluß. Zusätzlich wollten wir die neue Fülle der schlesischen Weißwurst probieren. Gemeinsam mit unserem Mitglied und Fleischermeister Roberto Pusch versuchen wir, bis zum kommenden Weihnachtsfest eine eigene schlesische Weißwurst anzubieten.
Zu Beginn unseres gemeinsamen Kochens bildeten wir drei Gruppen, jede nahm sich eines Gerichtes an. Einzig der Kloßteig wurde von Frau Lehmann schon vorbereitet mitgebracht. Nun ging die Arbeit los und die Gruppen spielten sich schnell ein. 15 Köche in einer Küche, jeder Platz war belegt. Dank der Umsicht der versierten Hausherrin bekam jede Gruppe zur rechten Zeit alle nötigen Gerätschaften und Zutaten gestellt. Die Arbeit ging flott voran und vor 14 Uhr saßen wir gemeinsam an der langen Tafel und genossen unsere selbst hergestellten Speisen. Die Braunbiersuppe konnte vielleicht nicht jedermann überzeugen, war aber die Probe wert. Das „Schlesische Himmelreich“ mit den Klößen schmeckte allen vorzüglich. Erwähnenswert ist, daß der Kloßteig zu Rollen verarbeitet und dann in Scheiben geschnitten wurde. Es gab also keine runden Kließla. Ich kenne diese Art von meiner Oma väterlicherseits. Die Klöße durften gleich in der Tunke, wie der Schlesier sagt, des Himmelreiches gar ziehen und schmeckten dadurch noch intensiver. Vor dem „Kompott“ verkosteten wir die neue Rezeptur der Fülle für die schlesische Weißwurst. Es gab einhellige Zustimmung. Auch von unserem Quarkauflauf waren wir begeistert. Er bildete den krönenden Abschluß unseres Festmahles. Alle Rezepte des Tages können wieder angefragt werden. Ich verschicke diese gern an interessierte Leser per e- Post.                                                                                                                                 Eine ausgesprochene Überraschung bereitete der Auftritt eines Mitgliedes der „Basteifüchse“. Das Duo unterhält mit eigenen Liedern sowie Heimat- und Volksliedern. So hörten und sangen wir an diesem Nachmittag u.a. auch noch unser Schlesier- und das Rübezahllied. Es war wieder ein gelungener Tag, den wir gern in einem Jahr erneut veranstalten wollen. Der Schatzmeister unseres Landesverbandes wird sich für die großzügige Spende an die Vereinskasse freuen. Wir freuen uns über ein neues Einzelmitglied aus Görlitz! Alle Teilnehmer danken noch einmal ausdrücklich der Familie Pusch, die uns wieder ihre Küche und den Gastraum zur Verfügung stellten. Ohne diese wunderbare Unterstützung könnten wir so eine Veranstaltung nicht anbieten.
F.Scholz

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„Schlesisches Kochstudio“- neue Veranstaltung des Landesverbandes der LM Schlesien

Mit tatkräftiger Unterstützung der Wirtsleute Pusch hoben Mitglieder und Freunde des LV der LMS eine neue Veranstaltung aus der Taufe. Vielleicht der Beginn einer Tradition oder Reihe mit dem Namen „Schlesisches Kochstudio“. Am 02. März trafen wir 12 Neugierige uns in der Gaststätte „Zur alten Säge“ in Dorf Wehlen. Die Grippewelle hatte eine noch höhere Beteiligung kurzfristig vereitelt. Begrüßt wurden wir mit „Stonsdorfer“ Kräuterlikör und „Landskron“ Bier. Die Teilnehmer brachten eigene Rezeptvorschläge und deren Zutaten mit. Das Hauptgericht sollte Schlesischer Kartoffelsalat und Schlesische Bratwurst werden. Ein weiteres herzhaftes Gericht war Pökelfleisch mit Hirse und Sauerkraut. Weiterhin fanden Apfelklöße und die berühmten Mohnkließla Aufnahme ins Menü des Abends. Zunächst fanden sich drei Arbeitsgruppen zusammen. Die größte von ihnen schnitt vier Kilogramm gekochte Kartoffeln sowie Gewürzgurken, Äpfel, Möhren, Zwiebeln in kleine Würfel. Abgeschmeckt wurde mit Salz, Pfeffer, Gurkenwasser, Senf- zum Schluß wurde Fleischsalat zugefügt. Zur gleichen Zeit wurden die kleingeschnittenen Äpfel in den Kloßteig geknetet und daraus Apfelklöße geformt, die dann im kochenden Wasser gar wurden. Aufwendig war die Bereitung der Mohnklöße. Dazu mußte 400 Gramm Mohn frisch gequetscht werden, der dann mit Milch überbrüht wurde. Zugegeben wurde Rum, Mandeln, Nüsse, Rosinen, Zucker und etwas Zimt. Eine Schüssel wurde mit Weißbrotscheiben ausgelegt. Darauf kam ein Teil der flüssigen Mohnmasse mit Zutaten. Es folgte noch eine zweite und dritte Schicht. Dann kam die Schüssel für drei Stunden in die Kühlung. Pökelfleisch und Sauerkraut wurde nur noch einmal erwärmt, die Hirse gekocht. Dann brutzelten auch schon die Bratwürste in der Pfanne. Nach den anstrengenden Vorbereitungen konnten wir dann endlich die Plätze am Tisch einnehmen und das große Schlemmen begann. Bratwurst, Pökelfleisch, Apfelklöße und zum Schluß die süßen Mohnklöße. Ja-  die „Stonsdorfer“ Medizin wurde stark nachgefragt nach diesem Kalorienfest. So saßen wir noch eine ganze Weile zusammen und waren uns schnell einig. Das machen wir wieder!Schlesischer Kochabend 02.03.18 Wehlen 014
Schlesischer Kochabend 02.03.18 Wehlen 016 Schlesischer Kochabend 02.03.18 Wehlen 002
Übrigens: Wer an den Rezepten des Abends interessiert ist, meldet sich bitte bei uns. Gerne verschicken wir die Rezepte per e- Post an Sie.

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Im Sommer 2014 wurde mit Leserbriefen in der „Sächsischen Zeitung“ erbittert um das niederschlesische Gebiet in Sachsen gestritten. Einige „Oberlausitz- Verfechter“ unterstellten den Autoren der Sächsischen Verfassung sogar  eine „Verfassungslüge“. Auf dem Höhepunkt des Streites schrieb Volker Schimpff, einer der Verfassungsautoren, am 30.07.2014 den folgenden Brief. Ihn dürfen wir mit seiner Genehmigung auf unserer Netzseite veröffentlichen.
Friedemann Scholz, 14.09.2016

WWW.SZ-ONLINE.DE/KULTUR
MITTWOCH
30. JULI 2014
SÄCHSISCHE ZEITUNG
Von wegen Lüge: Einer der Autoren der Sächsischen Verfassung verteidigt den Platz Schlesiens in Sachsen
Von Volker Schimpff
Eine Verfassung für alle
Seit fast zwei Wochen tobt im Sommerloch ein Streit um das niederschlesische Gebiet in Sachsen. Im Interview mit Bernd Raffelt und in Leserbriefen war sogar von einer „Verfassungslüge“ die Rede. Das ist schon starker Tobak. Ich war von 1990 bis 2004 Vorsitzender des Verfassungs- und Rechtsausschusses des Sächsischen Landtages und damit auch 1990 bis 1992 des Ausschusses der Verfassungsgebenden Landesversammlung, in dem unsere Landesverfassung erarbeitet wurde. In ihr heißt es in der Präambel „Anknüpfend an die Geschichte der Mark Meißen, des sächsischen Staates und des niederschlesischen Gebietes …“, und im Artikel 2 bestimmt der vierte Absatz: „Im Siedlungsgebiet der Sorben können neben den Landesfarben und dem Landeswappen Farben und Wappen der Sorben, im schlesischen Teil des Landes die Farben und das Wappen Niederschlesiens, gleichberechtigt geführt werden.“ Nebenbei: Anders, als Raffelt als „Verfassungslüge“ angibt, steht in der Verfassung des Freistaates Sachsen nirgendwo etwas von einer „niederschlesischen Oberlausitz“, sondern von der Geschichte des „niederschlesischen Gebietes“ und vom „schlesischen Teil“ Sachsens. Die sächsische Verfassung ist 1990 bis 1992 in einem langen, offenen Prozess erarbeitet worden. In diesen Beratungen haben sich die Angeordneten und ihre juristischen Sachverständigen nicht nur um größtmögliche Einigkeit untereinander bemüht, sondern vor allem um größtmögliche Akzeptanz im Volk und um völlige verfassungsrechtliche Wahrheit und Klarheit. Dazu gehörte es auch, die Identität der Menschen in jenem Teil des Landes zu berücksichtigen, der nie zur Mark Meißen und erst seit 1945 zu einem Land Sachsen gehört. Das gehörte ebenso dazu wie viele andere Änderungen gegenüber dem ersten veröffentlichten Entwurf, in dem die Sorben ja auch nur als Minderheit standen; erst in der Verfassung konnten sie als Volk und Teil des sächsischen Staatsvolkes berücksichtigt werden. Es ist folgerichtig, dass die Verfassung deshalb auch die Beflaggungsrechte eingeräumt hat: Gleichberechtigt Farben und Wappen der Sorben im Siedlungsgebiet der Sorben, die Farben und das Wappen Niederschlesiens im schlesischen Teil des Landes. Mit diesen Bestimmungen wurde durch die Verfassung des Freistaates Sachsen den berechtigten Interessen der Menschen in Sachsen Rechnung getragen, die sich dem sorbischen Volk zugehörig fühlen oder die im früheren (nieder)schlesischen Landesteil wohnen; manchmal trifft ja sogar beides zu. Die Verfassung betont in ihrer Präambel, dass der wiedererstandene Freistaat Sachsen aus der Tiefe seiner Geschichte, auch seiner nichtsächsischen Geschichte schöpft. Mal schlesisch, mal sächsisch. Tatsächlich lagen die Lausitzen jahrhundertelang außerhalb Schlesiens, aber ebenso (nachdem sie 1635 von den Habsburgern an die albertinischen Wettiner abgetreten waren) außerhalb des sächsischen Kurstaates. Selbst nach der Bildung des Königreiches von Napoleons Gnaden wurde erst ab 1811 versucht, die Lausitzen mit den Erblanden zu vereinigen, und 1815 mussten die Niederlausitz und der nordöstliche Teil der Oberlausitz an Preußen abgetreten werden. Das hatte Folgen: Administrativ wurde Preußen 1816 in Provinzen gegliedert, die Niederlausitz gehörte seither (und bis heute) zu Brandenburg, dem damals auch Hoyerswerda zugeschlagen wurde, der größere Teil der nordöstlichen Oberlausitz kam zu Schlesien. Diese Provinzen bekamen 1825 eigene Provinziallandtage, aber es wurden auch untergeordnete regionale Vertretungen, die Kommunallandtage, erlaubt, so auch der Kommunallandtag der schlesischen Oberlausitz. Was die meisten der nun zu preußischen Staatsbürgern und schlesischen Provinzialangehörigen gewordenen Menschen mehr bewegt haben dürfte: 1819 wurden in den zu Preußen gekommenen Gebieten die Stein-Hardenbergschen Reformen eingeführt und dadurch die Bauern in der schlesischen Ober-lausitz aus der Erbuntertänigkeit befreit –dem Oberlausitzer Adel unter der sächsischen Krone blieben seine Leibeigenen noch bis in die dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts erhalten. In ihren großen Titeln nannten sich nun der König von Preußen „souveräner und oberster Herzog von Schlesien wie auch der Grafschaft Glatz“ und weiter hinten auch „Markgraf der Ober- und Nieder-Lausitz“, aber auch der Kaiser von Österreich trotz der Abtretungen von 1635 (Lausitzen), 1742 (Schlesien bis auf einen kleinen Rest) und 1809/1845 (Schirgiswalde) „Herzog von Ober- und Niederschlesien“ und weiter hinten „Markgraf von Ober-und Niederlausitz) und zeigten die entsprechenden Wappen. Erst 1918 verschwand schlagartig dieser jahrhundertealte feudale Glanz. Bereits 1919 wurden aus der Provinz Schlesien zwei Provinzen gebildet, Niederschlesien aus den Regierungsbezirken Breslau und Liegnitz (u. a. mit Görlitz) und Oberschlesien aus dem Regierungsbezirk Oppeln. Um sie gegen polnische Gebietsansprüche zu stärken, sollte so den zum Teil slawisch-sprachigen Oberschlesiern eine größere Autonomie ermöglicht werden; von 1939 bis 1941 legten die Nationalsozialisten in genau entgegengesetzter Absicht beide Provinzen wieder zusammen. 1945 bildete die Sowjetische Militäradministration aus dem bisherigen Sachsen (allerdings ohne den Oberlausitzer Landstrich östlich von Zittau) und den westlich der Neiße liegenden Teilen des Regierungsbezirks Liegnitz das Land Sachsen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Auf ihm beruht der heutige Freistaat Sachsen. Östlich der Neiße gibt es nach mancherlei Umorganisationen heute die Woiwodschaften Niederschlesien (aus der früheren Provinz), Oppeln und Schlesien (die aber außer oberschlesischen auch kleinpolnisches Gebiet einschließt). Die Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat Sachsen mit seinem (nieder)schlesischen Landesteil und der Woiwodschaft Niederschlesien ist gut –dass es östlich und westlich der Neiße niederschlesisches Gebiet und schlesisches Erbe gibt, hat angespornt, aber in ihr niemals zu den mindesten Irritationen geführt. Solche Aufregungen bringt offenbar nur das Kuratorium „Einige Oberlausitz“ hervor. Und einige der ihm folgenden Leserbriefschreiber versprühen leider Gift und Galle. Das dürfen sie – denn in unserer Verfassung steht auch die Meinungsfreiheit. Das heißt, man darf auch Unwahrheiten äußern; allerdings sollten sie weder beleidigend noch herabsetzend sein. Der okkupatorische Eifer, dem schlesischen Landesteil seine Identität zu nehmen, ist für die Menschen mit dieser Identität herabsetzend. Weder in der sächsischen noch in der schlesischen Lausitz ist den Menschen mit solchem eifernden Chauvinismus gedient. Wer sich in Plauen nicht als Sachse, sondern als Vogtländer, in Rothenburg nicht als Schlesier, sondern als Lausitzer, oder Bautzen nicht als Oberlausitzer, sondern als Sachse fühlen möchte, kann das jederzeit; tatsächlich schließen sich diese Identitäten aber auch gar nicht aus. Man kann sich zugleich als Sorbe und Deutscher, Obersorbe und Oberlausitzer, Sachse und Schlesier, Europäer und Christ definieren, ohne eine gespaltene Persönlichkeit zu sein – und das ist gut so.
Unser Autor Volker Schimpff, (59), hat in Wittenberg Vor-und Frühgeschichte studiert, war Lehrer und von 1991 bis 2004 Landtagsabgeordneter (CDU). Heute ist er Publizist.

 

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