Kleiner polnischer Verein weckt deutschen Friedhof aus dem Dornröschenschlaf

Pfaffendorf / Kreis Liegnitz entsprach territorial in etwa der heutigen Vorstadt von Legnica. Von dem ehemaligen Dorf, welches teilweise schon im 19. Jahrhundert in die Stadt eingegliedert wurde, sind noch die Häuser und der Friedhof erhalten. Manche der Gebäude sind in einem relativ guten Zustand. Das Schicksal des Friedhofes - ein sehr bedrückendes - ähnelte dem Schicksal anderer seiner Art in ganz Niederschlesien.

1923 informierte der Landrat des Kreises Liegnitz das niederschlesische Konsistorium, dass man sich in Anlehnung an die Anordnung des Regierungsbezirkspräsidenten vom 15.02.1908 für die Gründung eines städtischen Friedhofes entschieden hatte, welcher zukünftig im Besitz der Dorfgemeinde Pfaffendorf sein würde.

Auf diesem Friedhof sollten die Einwohner evangelischen Bekenntnisses begraben werden, die der Liebfrauenkirchgemeinde Liegnitz angehörten sowie die der katholischen Johanneskirche daselbst. Das Grundstück unterstand dem Verwalter Schiller, der sein Amt bis 1951 ausübte (das Jahr ist leider durch kein Dokument belegt). Die offizielle Schließung des Friedhofes fand am 30.11.1965 laut Beschluss des Gromada Volksrates in Rzeszotary statt. Er existierte also 42 Jahre, wobei hier tatsächlich nur über 28 Jahren lang Menschen begraben wurden. Doch wurde der Friedhof ein Geschichtszeugnis, wie keine der älteren Nekropolen es vorweisen kann. Und dies infolge der Tatsache, dass das Ende des 2. Weltkrieges als eine der Konsequenzen die Änderung des Verlaufes europäischer Grenzen mit sich brachte: So ging das deutsche Niederschlesien in polnisches Gebiet über. Millionen Deutsche mussten ihre Wohnorte verlassen, in denen sie ihre Häuser, Haushalte oder Werkstätten hatten, und ebenso Kirchen und Friedhöfe. Die neuen Eigentümer waren meist Polen aus dem Osten, die man ebenfalls gezwungen hatte, ihre Wohnorte zu verlassen. Sie wurden nun in den ihnen von der Verwaltung zugewiesenen Ortschaften ansässig. Dies geschah auch in Pfaffendorf, das nach dem Krieg den polnischen Namen Piątnica erhielt.

I initial state 1stonemason's markour work 3family tombstonerestored tombstone 1TILIAE 3

Den neuen Bewohnern gelang es, sich in den verlassenen Häusern einzuleben, doch den Friedhof akzeptierten sie nicht. Die letzte dort begrabene Person war eine Autochthone, eine Deutsche, die aus unbekanntem Grund trotz Ausweisung in ihrem Hause verblieben war. Laut Berichten der polnischen Einwohner starb sie im Jahr 1950 oder 1951. Ihr Name war Anna Winkler. Die alleinstehende ältere Frau wurde von den polnischen Nachbarn mit Lebensmitteln versorgt, man mochte sie und sie war willkommen. Die neue Dorfgemeinschaft erhielt sie deshalb in Erinnerung. Sie wurde auch auf dem Weg zur letzten Ruhestätte würdig begleitet.

Die „Politik des Vergessens“ in Bezug auf die deutsche Geschichte Niederschlesiens wurde zentral gesteuert. Bis 1972, bevor die Grenzen für den neuen Deutschen Staat DDR geöffnet wurden, waren die Anweisungen eindeutig: Die deutschen Friedhöfe waren ein Problem. In der polnischen Kultur werden die letzten Ruhestätten mit großer Achtung behandelt. Es hatte sich aber in den Nachkriegsjahren schnell herausgestellt, dass dies nur für polnische Friedhöfe demonstriert wird. Die deutschen Friedhöfe gerieten in Vergessenheit und verfielen. Die Gräber wurden geschändet, es wurde nach Wertvollem gegraben.

Ähnlich erging es auch dem Friedhof in Piątnica. Viele Grabsteine verschwanden, die Marblitplatten wurden zerstört, die Kreuze aus Gusseisen gestohlen. Dennoch ist der architektonische Entwurf des Platzes erhalten geblieben, obwohl das unkontrolliert wuchernde Grüne die Fragmente der Gräber verdeckte.

Der Friedhof in Piątnica wurde um das Jahr 2016 von Marek Rabski - einem Historiker, Hochschullehrer und Tourismusaktivisten - wiederentdeckt. Er hatte sich als Ziel gesetzt, diesen Ort wieder ans Tageslicht der Erinnerung zu bringen. Die informelle Gruppe „In Memoriam Liegnitz” setzte seine Bemühungen fort, danach kümmerte sich seit Januar 2020 der Verein TILIAE um den Friedhof, diese Bemühung dauert bis heute an.

Der Verein TILIAE wurde offiziell am 10.07.2020 gegründet, doch die Arbeiten auf dem Friedhof wurden bereits fortgesetzt, als dies noch eine lose Gruppierung war. Das Fundament des Vereins bilden vier Frauen, die sich mit den vier Linden identifizieren, die in den vier Ecken des Friedhofs wachsen. Ziel der restaurativen Arbeiten ist einerseits das Schützen des Friedhofs vor weiterer Vernichtung, andererseits das Wiederherstellen der Erinnerung an die Vorkriegsgeschichte des Ortes. Die Arbeiten auf dem Friedhof beruhten anfangs auf der Regulierung des Grünen, das integraler Bestandteil der deutschen Friedhöfe ist: Es muss aber regelmäßig gepflegt werden.

Anhand eines Lageplans lässt sich erkennen, wie der Raum geplant wurde: Der Hauptweg spaltet das Areal in zwei gleiche Teile. Die Bäume spenden gleichmäßigen Schatten und deshalb ist es hier sogar an heißen Tagen angenehm. Die heutigen Bewohner erinnern auch an Thujen (Lebensbäume), die entlang der großen Allee gepflanzt wurden, doch leider sind sie spurlos verschwunden. Es wäre von Vorteil, wenn man darüber Dokumente - beispielsweise Fotos - finden könnte.

Nachdem die verwilderten Flieder- und Ligusterbüsche beschnitten wurden, musste das mit großem Wurzelsystem wuchernde Gras entfernt werden. Im Endeffekt sollte der Platz für das Aussäen des neuen Grases vorbereitet werden. Bei dieser Arbeit gab es unverhoffte Entdeckungen. Man fand Marblitfragmente und Teile von Porzellantafeln und Kreuzen sowie vollständige Kreuze aus Gusseisen. Selbstverständlich wurde nur wenig Intaktes vorgefunden, doch auch unvollständige Fundstücke bereiten Entdeckerfreude, weil sie viel über die Begräbniskultur der 30er und 40er Jahre des 20. Jahrhunderts aussagen.

Der nächste Schritt bestand darin, die noch erhaltenen Grabsteine zu reparieren. Die Mehrheit der vertikalen Elemente wurde bei der Verwüstung von den Sockeln hinuntergestoßen. Jetzt mussten die Sockel in die Waagerechte gebracht und danach die Platten darauf befestigt werden. Bei einzelnen Grabsteinen ist das nicht so kompliziert, doch es wurden auch einige Erbbegräbnisse gefunden, zu deren Reparatur wegen des Gewichtes ein Bagger zuhilfe genommen werden musste.

Die Renovierung der aufgefundenen Steine und Gusseisenelemente ist besonders wichtig. Es ist wohl möglich, Marblit- oder Porzellanelemente zusammenzufügen, falls es gelang, wesentliche Fragmente der Platten zu finden. Es wird jedoch nicht möglich sein, sie an ihre ehemaligen Plätze zu stellen, da die Fragmente über das ganze Gelände verstreut wurden. Vielleicht kann man sie in Zukunft in einer Art Lapidarium oder wie eine Ausstellung zeigen. Wenn Fotos existieren, anhand deren man erkennen könnte, wie der Friedhof ursprünglich aussah und wo die einzelnen Grabsteine standen, könnte man die Fundstücke zumindest teilweise zuordnen.

Das erste Jahr des Friedhofschutzes wurde mit dem Kennzeichnen des Zufahrtswegs abgeschlossen. Dank dessen kann er schneller und einfacher gefunden werden. (Er liegt tief im Hinterhof zweier Privatgelände und ist nicht so leicht einsehbar.) Nun wird der Friedhof nicht nur ein Ausflugsziel der Stadtbewohner, sondern auch für die Geschichtsliebhaber ganz Legnicas.

Parallel zu den Aufräumarbeiten auf dem Friedhof wurde die Recherche in den Archiven fortgesetzt, um an die ehemaligen Bewohner Pfaffendorfs erinnern zu können. Dank dieser Recherchen werden Artikel verfasst, die u.a. über Familienbeziehungen, verbreitete Berufe oder interessante Plätze erzählen. Jede Erinnerung an die Jahre, die über den historischen Austausch der lokalen Gemeinschaft hinausgeht, ist sehr wertvoll. Jene Leser, die über Dokumente, Fotos oder Erinnerungen verfügen und diese mit uns teilen möchten, werden gebeten via Email (stowarzyszenie.tiliae@gmail.com) mit dem Verein TILIAE in Kontakt zu treten.                                                                                                        
 
Hanna Szurczak

 

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Initiative für Erhalt und Revitalisierung des evangelischen Friedhofs in Nieder- Schreiberhau- Grenzübergreifende Zusammenarbeit der LM Schlesien und Schlesierfreunden mit der Gemeinde Schreiberhau

Der spontanen Kontaktaufnahme eines unserer Mitglieder mit dem Bürgermeister der Gemeinde Schreiberhau im November 2019 und der daraufhin erfolgten Planung eines gemeinsamen Arbeitseinsatzes verdanken wir eines unserer erlebnis- und erfolgreichsten Wochenenden. Eigentlich war diese Aktion bereits für das Frühjahr geplant, musste aber aus dem bekannten Grunde abgesagt werden. Nach der lang erwarteten Grenzöffnung einigten wir uns mit dem Bürgermeister, Herrn Miroslaw Graf, auf einen zweiten Versuch am Wochenende des 18.- 20. September. Er war von Beginn an sehr offen für unser Anliegen. Im Vorfeld wurden von Mitarbeitern der Stadt Aushänge getätigt, welche die Einwohner zur gemeinsamen Mitarbeit am bilateralen Arbeitseinsatz aufriefen. Sehr hilfreich waren die notwendigen Vorarbeiten wie Mähen und Bäume ausästen, welche viel Arbeit abnahmen und die Konzentration auf das Eigentliche ermöglichte.
Bereits am Vormittag des 18.9. begannen die Mitglieder unserer Landsmannschaft sowie die Schlesierfreunde eigenständig mit dem Arbeitseinsatz. Zuvor begrüßten uns die Mitarbeiter des Kulturzentrums. Der zuständige Leiter des Betriebsamtes übergab uns erforderliche Werkzeuge und Arbeitsmittel. Zwei Großcontainer für den Baumschnitt wurden ebenso bereitgestellt. Bei herrlichem Wetter konnten wir sofort mit der Beräumung der oberen Hälfte des Friedhofs beginnen. Bis zum frühen Nachmittag waren die Container schon befüllt, nach Gesamteinsatz sogar überfüllt, so dass weitere Abfälle dann auf einer Nebenfläche deponiert werden mussten. Anschließend bildeten wir drei Gruppen für die weiteren Arbeiten. Zwei von ihnen übernahmen das Freilegen, Bergen, Aufstellen und Sichern von vorhandenen Grabsteinen. Die dritte Gruppe säuberte diese und half beim Sichtbarmachen der Inschriften. So arbeiteten wir bis nach 17 Uhr, unterbrochen von einem Mittagsimbiss mit Getränken in der nahegelegenen „Iserbaude“, welchen die Gemeinde für uns zur Verfügung stellte. Nach diesem ersten Tag waren schon erste sichtbare Ergebnisse zu verzeichnen. Bei einem selbstbereiteten und ausgiebigen Abendbrot in unserer Unterkunft ließen wir den Tag in der „Iserbaude“ in geselliger Runde bei Bier und Gesang ausklingen.
Gespannt erwarteten wir am Sonnabend 10 Uhr die offizielle Eröffnung des Friedhofseinsatzes durch den Bürgermeister. Wie viele Einwohner werden wohl den Weg finden, um die Aktion zu unterstützen? Haben die jetzigen Einwohner überhaupt Interesse an einem evangelischen deutschen Friedhof? Seit 9 Uhr arbeiteten wir bereits wieder auf jenem. Über die Resonanz waren wir positiv überrascht, denn einige Mitarbeiter der Gemeinde und mehrere Einwohner waren dem Aufruf gefolgt und so fanden sich gegen 10 Uhr ca. 20 Freiwillige auf dem Friedhof ein. Ein Reporter der regionalen Presse dokumentierte die Eröffnungsveranstaltung sowie den Arbeitseinsatz, an welchem sich nunmehr über 30 Helfer beteiligten. Inzwischen ist ein Bericht des gemeinsamen Einsatzes auf der offiziellen Netzseite der Stadt Schreiberhau zu lesen (http://www.szklarskaporeba.pl/de/ereignisse/archiv-der-ereignisse/18-informacje/4518-memento-maiorum-tuorum.html). Pünktlich eröffnete der Bürgermeister den gemeinsamen Arbeitseinsatz zur Revitalisierung des Friedhofs. In seiner kurzen Ansprache dankte er uns außerordentlich für unsere zündende Initiative und Engagement, die ihn von der Ernsthaftigkeit unserer Bemühungen überzeugte. Durch diesen gemeinsamen Einsatz geht auch ein starkes Zeichen an die zuständigen Denkmalpfleger, die endlich mehr für den Erhalt und die Restaurierung des Friedhofs tun sollten. Unser Mitglied Robert Wollny übernahm die Rolle des Dolmetschers und stellte unsere Gruppe den polnischen Teilnehmern vor. Als Gastgeschenk überbrachten wir dem Bürgermeister ein großes rundes Brot mit der Verzierung „Danke“ in polnischer Sprache, außerdem je einen Klecks-, Streusel-, Mohn- und Heidelbeerkuchen für die gesamte Gemeinde. Unsere Geste wurde sichtlich bewegt aufgenommen.
Nach der gegenseitigen Begrüßung aller Teilnehmer nahem wir Aufstellung für ein Gruppenfoto. Daraufhin bildeten sich schnell gemischte Gruppen, die auf das gesamte Areal verteilt wurden. Nun konnte auch die untere Hälfte des Friedhofs in Angriff genommen werden. Dort begann die Räumung von Baum- und Grasschnitt sowie Glas- und Kunststoffmüll. Auf diesem Teil wurden im Anschluss ebenfalls schon erste Grabsteine freigelegt und geborgen. Im oberen Teil setzten wir die Arbeiten vom Vortag fort, wagten uns mit Hilfe eigener „Hebetechnik“ und der erlernten Hebelgesetze auch an größere Grabsteine heran. Mit der Motorsense entfernten wir den letzten Streifen Buschwerk, in dessen Bereich noch mehrere Grabmale sichtbar wurden. Manchmal fanden wir auch die ursprünglich auf dem Grab angebrachten gusseisernen Grabstellennummern. Mit Hilfe dieser werden wir im vorhandenen Grabstellenbuch  (http://jbc.jelenia-gora.pl/publication/27789/edition/25956/grabstellenbuch-im-original-von-nieder-schreiberhau-dokument-elektroniczny?language=pl) von Nieder- Schreiberhau nach den zugehörigen Namen suchen. Jeder neu geborgene Stein wurde nach seiner Reinigung begutachtet. Jahrzehntelang lagen diese Grabsteine auf ihrem „Gesicht“, waren nicht zu lesen. Nun endlich zeigten sie uns Namen und oft auch die Berufe der Verstorbenen. Apotheker, Doktor, Fuhrwerksbesitzer, Gastwirt, Hotelbesitzer, Glasschleifermeister, Glaspacker, Prokurist, Postagentin, Hotelbesitzer, Bäcker, Fleischer, Hausbesitzer, Landwirt, Kaufmann und sogar den Rentenempfänger- das ist eine Auswahl der Berufe, die wir fanden. Mit jedem wieder sichtbar gemachten und aufgestelltem Stein erhielten die Verstorbenen ihre Würde und ihren Namen zurück. Während des Arbeitstages bekamen wir auch Besuch von einem 1939 in Schreiberhau geborenen Herren. Er nahm 6 Stunden Autofahrt auf sich, um an diesem Tag dabei sein zu können. Sehr emotional und dankbar verfolgte er unsere Arbeiten, so manche Träne konnte er verständlicherweise nicht verstecken. Gegen 15 Uhr endete der Arbeitseinsatz offiziell und alle Beteiligten nahmen die Einladung zum gemeinsamen Grillen in der „Iserbaude“ an. Schmackhafte, kalorienreiche Würste brutzelten auf dem Grill, unser Begrüßungsbrot wurde vom Bürgermeister aufgeschnitten. Zwei der gesponserten Kuchen gingen reihum. Da sich in unseren Reihen vier sprachkundige Mitglieder befanden, entwickelte sich eine lebhafte Unterhaltung zwischen den polnischen und deutschen Beteiligten des Arbeitseinsatzes. Durch das Ergebnis des Tages sichtlich beeindruckt, machte der Bürgermeister ("Endlich erkennt man wieder einen Friedhof") spontan den Vorschlag, voraussichtlich am 7./8.11.20 einen fortführenden Arbeitseinsatz zu organisieren. Wir besprachen mit ihm die weiteren Schritte für die Arbeiten, nötige Technik für die Hebung der großen, schweren Grabplatten sowie Baumfällungen.
Von unserer Seite versicherten wir ihm eine stetige Unterstützung bei dem Friedhofsvorhaben. Mit dem erreichten Ergebnis der zwei Tage im Rücken, wird Herr Bürgermeister Graf dem Denkmalamt starke Argumente für eine beschleunigte Sanierung des Friedhofs liefern können. Nach der Verabschiedung aller gegen 16 Uhr und nochmaligem Dank für das Geleistete löste sich unsere Schar auf. Einige unserer Mitglieder gingen noch einmal auf den Friedhof zurück und erledigten restliche Arbeiten. Dabei überraschte uns der Anwohner eines benachbarten Grundstücks mit der Übergabe einer zerbrochenen Grabtafel, die bei ihm viele Jahre auf dem Boden lagerte. Eine andere Bewohnerin informierte über einen Grabstein auf ihrem Dachboden. Wir versprachen ihr, diesen bei unserem nächsten Aufenthalt in Schreiberhau abzuholen und auf den Friedhof zurückzubringen. Den vorerst letzten Abend verbrachten wir in geselliger Runde.  Auch unser Pensionswirt hatte eine Überraschung - er übergab uns eine Probe seiner schmackhaften Backkunst. Vor dem Umbau zur Pension war der Bäckereiberuf sein Broterwerb.
Der Sonntag begann noch einmal mit dem gemeinsamen Frühstück unserer Mitglieder und Freunde. Danach begann für die meisten der Aufbruch nach Hause. Ich persönlich nutzte den Vormittag zu einem ausführlichen Rundgang auf „unserem“ Friedhof, bei dem ich noch viele Fotos machte. Dem Carl und Gerhard Hauptmann- Haus in Schreiberhau stattete ich noch einen Besuch ab und danach ging es auch für mich zurück.
Dieser Bericht wäre nicht vollständig, ohne die Würdigung der Unterstützer unserer Aktion. Sie haben es mit ermöglicht, diesen Arbeitseinsatz zu einem großen Erfolg werden zu lassen. Darum bekommen sie hier ihren verdienten Platz.
Zunächst möchten wir uns beim Sächsischen Staatsministerium des Innern mit dem sächsischen Beauftragten für Vertriebene und Spätaussiedler, Herrn Dr. Jens Baumann, für die erstmalige Förderung unseres Projektes herzlich danken. Wir hoffen auf eine weitere gute Unterstützung.
Ein Riesendank gilt unserem Mitglied Armin Hübner, dem Hübner- Bäcker aus Horka bei Niesky (http://www.-baecker.de). Er unterstützte uns mit schlesischem Kuchen als Gastgeschenk und zur Wochenendverpflegung. Außerdem spendierte er das Begrüßungsbrot für den Bürgermeister der Gemeinde und zwei „Dreipfünder“ für das Abendbrot.
Und damit wir etwas auf der „Bemme“ haben, stellte uns unser Mitglied Roberto Pusch Wurstwaren aus der eigenen Produktion seines Hofladens zur Verfügung. Auch dafür ein großes Dankeschön. Ein besonderer Dank gilt unserem Mitglied Robert Wollny für seine professionelle Kontaktaufnahme mit der Gemeinde Schreiberhau, seiner perfekten Organisation bei unserem Aufenthalt und seinen Diensten als Übersetzer.
Herzlichen Dank unserem Quartiergeber in der „Alten Bäckerei“.                                                                                                                     
Ein großer Dank gilt dem Bürgermeister Miroslaw Graf und seinen Mitarbeitern für die geleisteten Vorarbeiten, die Verpflegung mit Getränken und Imbiss, der Bereitstellung von Werkzeugen und Arbeitsmitteln, für ihre Gastfreundschaft, das entgegengebrachte Vertrauen und die gute Zusammenarbeit. Wir sind uns an dem Wochenende nähergekommen und auf dem Weg, verlässliche Freunde zu werden.
Wir kommen gern wieder!!!                                                                                                                                                                                                    
Tausend Dank unseren Familien, die wieder einmal ein Wochenende ohne uns auskommen mussten.
Danke an unsere eingearbeitete, verschworene Truppe, die wirklich Außergewöhnliches geleistet hat.
nd letztlich Dank dem „Herrn der Berge“ Rübezahl, der bei unserem Herrgott das herrliche Wetter bestellt hat. 

Friedemann Scholz

Bildergalerie vom Einsatz - für größere Bilder auf die Galerie klicken

20200920_104010 (002)

IMG-20200819-WA0029 (1)

IMG-20200919-WA0005 (1)

IMG_4102

IMG_4113

P9197230

P9197233

P9197244

P9197247

P9197251

P9197254

P9197261

P9197262

nachher I

nachher

vorher I

vorher

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Übergabe gespendeter Schulbücher in Seitsch (Siciny)
Am Mittwoch, dem 12.August 2020, konnte unser Mitglied Andreas Grapatin der Schule in Seitsch (Guhrauer Land) im Namen der Spender eine umfangreiche Buchschenkung übergeben. Sechs Kisten umfasste die Lieferung. Die Bücher werden im Unterricht und in der Schulbibliothek ihren Platz finden. Es handelt sich um ganze Klassensätze Schulbücher zum Deutschunterricht sowie verschiedene Märchen- und Kinderbücher zur Vertiefung der Lernergebnisse. Die Direktorin und die Deutschlehrerin der Schule nahmen die Bücher in Empfang und bedankten sich für diese großzügige Gabe. Eine offizielle Würdigung unserer Spendenaktion soll nach Ende der Beschränkungen wegen dem C- Virus erfolgen. Allen Spendern, die diese Aktion unterstützten sei an dieser Stelle auch von uns noch einmal herzlich gedankt. Ein besonderer Dank gebührt dabei den Kindern und Lehrern der Friedrich- Märkel- Grundschule in Stadt Wehlen mit ihrer Schulleiterin Frau Rahm. Sie wünschten den Schülern in Seitsch in einem Begleitschreiben viel Freude beim Lesen und dem Erlernen der deutschen Sprache. Das genannte Schreiben trägt außerdem die Unterschrift des Wehlener Bürgermeisters Klaus TittelAshampoo_Snap_2020.09.21_05h52m02s_021_.
Wir sind an einer laufenden Fortführung dieser Hilfe interessiert. Bitte stellen Sie weiterhin Bücher dafür zur Verfügung und benennen Sie Schulen in Schlesien, die ebenfalls von dieser Spendenaktion profitieren sollten.

Friedemann Scholz

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Sibyllenort (Szczodre)- Sächsisch/ Schlesische Geschichte

Am 28. Juli 2020 trafen sich Vorsitzender und einige Vertreter der LM Schlesien/ LV Sachsen mit dem sächsischen Beauftragten für Vertriebene und Spätaussiedler, Dr. Jens Baumann, zu einem „Arbeitsgespräch“ im Innenministerium. Dabei wurden mehrere Projektvorschläge der LMS auf eine Realisierung geprüft. Es kamen u.a. die laufenden und zukünftigen Einsätze auf den ehemaligen evangelischen Friedhöfen in Giersdorf bei Bunzlau, Sibyllenort und Schreiberhau zur Sprache. Weitere Ideen betrafen die Teilnahme am „Tag der Sachsen“ sowie einem zukünftigen Büro in Görlitz. Ein weiterer lang gehegter Wunsch der LM Schlesien ist die Bereitschaft, bei der Revitalisierung des Schlossparks in Sibyllenort mitzuwirken. Hier wurden verschiedenen Ansätze und Möglichkeiten besprochen. Dr. Baumann stimmte mit uns überein, dass Sibyllenort ein geschichtsträchtiger Ort Sachsens und ein passendes Verbindungsglied zu Schlesien ist. In Sibyllenort starb 1932 der letzte sächsische König Friedrich August III. So wurden wir uns einig, die verantwortliche Gemeinde Langewiese (Dlugoleka) zu kontaktieren und ein Interesse an einer Zusammenarbeit zu erfragen. Frau Koziolek- Beier übernahm diese Aufgabe und stieß mit unserer Bereitschaft zur Partnerschaft in Langewiese auf offene Ohren. Die Gemeinde lud uns darauf hin zu einem Besuch am 14. September nach Sibyllenort ein.
Eine Delegation unter Leitung des Bürgermeisters Wojciech Blonski empfing Dr. Baumann und uns, als Vertreter der LM Schlesien, im Schlosspark zu einem ausgiebigen Rundgang. 2019 wurde der Park, ehemals 23000 Hektar Fläche, in einem ersten Abschnitt revitalisiert. Nach 1945 verwilderte er völlig und diente vor allem als Müllkippe und Spekulationsobjekt. Jetzt entstanden zwei große Spielplätze, ein Labyrinth, Sportplätze, Liegewiesen mit Ruhebänken, Plätze für Angler an den Wasserläufen und dem ersten wiederhergestellten Teich. Die eingefassten Wege säumen Informationstafeln, die leider nur in der Landessprache verfasst sind. Der Park spricht somit viele junge Familien an und wird sicher zukünftig für die Einwohner Breslaus ein lohnendes Ziel werden. Schließlich liegt Sibyllenort vor der Haustür der schlesischen Hauptstadt. Der Bürgermeister erläuterte seine weiteren Ausbaupläne für den Park. Dazu gehört ein Komplex mit Hotel, Gaststätten, Biergarten, der aber in der Hand der Gemeinde bleiben soll und verpachtet wird. Außerdem warten noch weitere Parkflächen auf die Revitalisierung. Ein großer „Schandfleck“ ist leider unübersehbar. Die Schlossreste des ehemaligen „Schlesischen Windsor“ und das dazugehörige Grundstück bieten einen traurigen Anblick. Die genannte Fläche befindet sich in privater Hand. Am Anfang der 1990-er Jahre an einen Italiener verkauft, ging das Grundstück über drei weitere Besitzer jetzt an einen Breslauer Eigentümer. Die Gemeinde möchte dieses gern wieder in ihren Besitz bringen und auch dort investieren. Im übriggebliebenen Theaterflügel des Schlosses könnten dann Eigentumswohnungen entstehen. Außerdem gibt es Pläne, ein paar Anbauten im Stil des ehemaligen Schlosses zu realisieren. Sechs Prozent des ehemaligen Schlosses sind mit dem Theaterflügel also noch sichtbar. So kann man die wahre Größe dieses verlorenen Schlosses nur erahnen. Solange das Schlossgrundstück noch in privater Hand ist, können die Ideen der Gemeinde und auch unsere Vorschläge zur Gestaltung der Fläche nicht umgesetzt werden. Gedacht hatten wir an eine große Informationstafel, die die ehemalige Größe des Schlosses zeigt oder auch die Hilfe bei der Rekonstruktion des großen Springbrunnens an der ehemaligen Schlossmitte. Laut Aussage des Bürgermeisters würden alle erforderlichen Leitungen noch vorhanden und funktionstüchtig sein. Im Park befindet sich noch ein paar weitere Denkmale. Ein Kriegerdenkmal des ersten Weltkrieges steht im Wald in der Nähe des Besucherparkplatzes. Die Tafeln mit den Namen der Gefallenen und weitere Teile wurden entfernt. So steht nur noch der Obelisk. Im Teil des Parkes, der dem Staat gehört, findet man auch das Denkmal für König Albert I von Sachsen, was ihm seine Frau Carola an seinem Lieblingsplatz anlässlich seines Todes 1902 errichten ließ. Auch dieses Denkmal und sein Umfeld sind stark restaurierungsbedürftig. Das wäre als ein Projekt unserer Landsmannschaft mit Hilfe von Fördermitteln des Freistaates denkbar.Ashampoo_Snap_2020.09.21_05h47m47s_020_
Zu erwähnen sind einige wuchtige alte Eichen im Park von Sibyllenort. Diese Bäume erhielten, laut Überlieferung, von Friedrich August III die Namen von früheren Hofbeamten. Mit ihnen unterhielt er sich bei seinen Spaziergängen. Dichtung oder Wahrheit?
Nach dem informativen und beeindruckenden Rundgang durch die wiederhergestellten Parkflächen lud der Bürgermeister noch zu einem Mittagessen in ein nahegelegenes Hotel ein. Dabei tauschten wir Eindrücke aus und erfragten, in welcher Form wir unterstützen könnten. Ungewöhnlich war die Entgegnung des Bürgermeisters. Er sagte: „Beim ersten Besuch spricht man nicht über Geld. Man lernt sich kennen. Projektideen sollen in Ruhe konkretisiert werden und bei einem zweiten Besuch erörtert werden“. So werden wir uns im Oktober wieder zusammensetzen und einen Vorschlag für ein erstes Projekt erstellen.
Die Gemeinde Langewiese (Dlugoleka), zu der Sibyllenort gehört, zählt übrigens 30000 Einwohner und hat die flächenmäßige Größe von Breslau.
Die anwesenden Mitglieder der LM Schlesien überreichten zum Abschluß des Gesprächs Herrn Bürgermeister Blonski ein Buch über den letzten sächsischen König Friedrich August III. Darin wird ausführlich auch sein langjähriger Aufenthalt im Schloß Sibyllenort beschrieben.          Unser besonderer Dank für den gelungenen Tag gilt an dieser Stelle noch einmal unserem Mitglied Silvia Koziolek- Beier für Ihre Arbeit. Sie hat nicht nur den Kontakt zu Bürgermeister und Verwaltung hergestellt, sondern auch sämtliche Übersetzungsarbeiten im Vorfeld und am Tag übernommen. Herzlichen Dank auch an Herrn Dr. Jens Baumann für seine Unterstützung und Zustimmung zu unserer Projektidee. Wir sind dankbar, daß unser angedachtes Engagement in Sibyllenort überzeugen konnte.

F. Scholz

 

Evangelischer Friedhof Giersdorf- unser dritter Besuch

Der dritte Einsatz auf dem alten ev. Friedhof in Giersdorf fand am 31.7. und 1.8.2020 statt. Bei diesmal hochsommerlichen Temperaturen gelang es den ehrenamtlichen Helfern, das letzte Drittel der Friedhofsfläche vom Baum- und Buschbewuchs zu befreien. Dabei kam am ersten Tag auch ein professioneller Häcksler zum Einsatz, der den entfernten Wildwuchs in einen großen Berg Häckselschnitzel verwandelte.
Ashampoo_Snap_2020.08.15_06h58m34s_005_
Nun ist das gesamte Friedhofsgelände zu überblicken. Das Unterholz, meist über Jahrzehnte gewachsener Efeu, wartet noch auf einen Rückschnitt bzw. seine Entfernung. Mit diesem freien Blick sieht man auch das gesamte Ausmaß der Zerstörung des Friedhofes nach dem Kriegsende und der Vertreibung seiner eingesessenen Bevölkerung. Unwillkürlich wird man demutsvoll still. Für uns Teilnehmer ist es jedoch auch eine erfüllende innerliche Freude, daß wir zur Wiederherstellung der Würde dieses Platzes und seiner Toten beitragen durften.
Während der Arbeiten kamen wiederholt Besucher auf den Friedhof und schauten sich die Arbeiten an. Familie Puschmann brachte am zweiten Tag Mineralwasser für die Helfer. Herr Puschmann mit seinen 82 Jahren ließ sich dabei eine zweistündige
 Mitarbeit nicht ausreden. Er ist selbst noch in Giersdorf geboren und sein Familiengrab an der Friedhofsmauer ist durch uns wieder sichtbar gemacht worden. Selbst eine Familie aus Holland ließ sich über den Friedhof führen und das Ziel der Arbeiten erklären.
Der große Haufen Häckselschnitzel wurde am zweiten Arbeitstag zum Wegebau eingesetzt. So konnten die Hauptallee und etliche Nebenwege sichtbar und bequemer begehbar gemacht werden.
Ashampoo_Snap_2020.08.15_07h00m14s_006_
Einige umgestürzte Grabsteine wurden noch aufgestellt und freigeschnitten bevor zum Abschluß der Arbeiten der Grill angefeuert wurde. Im Gemeindehaus erwartete uns auch Kaffee und Kuchen. Wir ließen uns nicht lange betteln und danken noch einmal herzlich dafür.
Einige Teilnehmer besuchten um 17 Uhr das Benefizkonzert des Görlitzer Vereins „Ars Augusta e.V.“ mit seiner griechischen Sopranistin Eleni Triada Ioannidou in der Giersdorfer Kirche und unterstützten damit die weitere Renovierung des Gotteshauses durch die deutsch- polnische Stiftung „Kulturpflege und Denkmalschutz“.
Bei den einfachen Grabsteinen aus Sandstein fiel uns eine Eigenartigkeit auf, die wir so von den Friedhöfen anderenorts nicht kennen. Diese Grabsteine sind auf beiden Seiten beschriftet. Die Vorderseite zeigen die Lebensdaten und Namen, auf der Rückseite wird dem Verstorbenen mit ein paar persönlichen Worten gedacht. Gibt es diese Art der Steingestaltung auch auf anderen evangelischen Friedhöfen Schlesiens oder Deutschlands?
Ashampoo_Snap_2020.08.15_07h02m25s_007_
Wir planen noch einen weiteren Einsatz auf dem Friedhof. In einer kleineren Besetzung würden wir gern die noch auf der gesamten Fläche verstreut liegenden Grabsteine bergen und aufstellen sowie zuordnen. Ein genauer Termin steht noch nicht fest. Er soll aber über die bekannten Kanäle dann schnell veröffentlicht werden.
6.August 2020- Friedemann Scholz

 

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

Arbeitseinsatz „Evangelischer Friedhof Giersdorf“- Juni 2020
Endlich ist die verordnete Untätigkeit vorbei, die Grenze an der Lausitzer Neiße wieder geöffnet. Mitglieder des LV der LM Schlesien und der „Schlesierfreunde“ verabredeten kurzfristig einen Termin zur weiteren Wiederherstellung des alten evangelischen Friedhofes in Giersdorf bei Bunzlau. Unterstützung erhielten wir von Margit Kempgen von der „Kirchlichen Stiftung ev. Schlesien“ und Eleni Ioannidou, Mitglied der deutsch- polnischen Stiftung zum Erhalt der dortigen alten evangelischen Langhans- Kirche. Am 19. und 20. Juni trafen sich die 12 Helfer zum Arbeitseinsatz. Nachdem im vorigen Herbst die Sichtachse und der vordere Teil des Friedhofs beräumt und wiederhergestellt wurde, begannen eine Gruppe diesmal mit dem ersten hinteren Stück. Hunderte wildgewachsene Bäumchen, Gestrüpp, Büsche mussten mit der Motorsäge gefällt werden. Diese schwere Arbeit fand teilweise im strömenden Regen (Sonnabend) statt. Eigentlich sollten die Gehölze gleich gehäckselt werden, leider ließ uns der Technikanbieter im Stich. Trotzdem gelang es, eine große Fläche vom hohen Bewuchs zu befreien, die Ruine der ehemaligen Aussegnungshalle kam mit zum Vorschein. In dem Bereich sind auch deutlich mehr Grabsteine stehen geblieben, als im vorderen Teil mit den größeren Grabanlagen. Die meisten Grabsteine haben die gleiche Form und bestehen aus Sandstein. Sehr interessant, und für uns eine neue Erkenntnis, sind die Kindergräber. Auf dem Friedhof gibt es ein eigenes Feld für diese Gräber. Auch sie besitzen einen Grabstein – nur misst dieser ein Drittel der Größe eines Erwachsenensteins. Was uns bei der Arbeit immer wieder begegnete und verstörte, waren die aufgebrochenen Grüfte, teils mit Gebeinen, teils mit Schutt oder Grabsteinen verfüllt. Was muß vor 75 Jahren für ein Haß auf die Deutschen und ihre Kultur geherrscht haben. Da zerschlugen gläubige Katholiken die Gräber der evangelischen Deutschen, die dort Jahrhunderte lebten und vertrieben wurden. Grüfte wurden geplündert, man gönnte nicht einmal den Toten ihre Ruhe. Gott sei Dank, besinnen sich die jetzigen Bewohner verstärkt auch auf die deutsche Geschichte ihres Ortes.

Ashampoo_Snap_2020.06.26_07h07m20s_001_Ashampoo_Snap_2020.06.26_07h10m06s_003_Ashampoo_Snap_2020.06.26_07h10m58s_004_Ashampoo_Snap_2020.06.26_07h09m04s_002_


Bericht über Fortsetzungsarbeiten auf den Deutsch-Evangelischen Friedhof in Sybillenort 2019

Ashampoo_Snap_2019.05.19_08h32m46s_004_

Der Bericht liegt als PDF-Datei vor. Bitte klicken Sie hier, oder auf das Bild um ihn vollständig zu lesen.

------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Zweiter Friedhofseinsatz in Niederschlesien


Am ersten Novemberwochenende trafen sich einige Mitglieder unserer Landsmannschaft sowie deren Sympathisanten im niederschlesischen Giersdorf, um einen weiteren evangelischen Friedhof aus seinem Dornröschenschlaf zu befreien.

Das Dorf befindet sich in der Nähe von Bunzlau und ist durch seine, in der Architektur einzigartige, evangelische Kirche bekannt.
Der ellipsenförmige Bau aus dem frühen Klassizismus wurde zwischen 1796 – 97 von keinem geringeren als dem berühmten schlesischen Architekten Carl Gotthard Langhans erbaut und im Jahre 1872 durch einen Turmanbau erweitert. Im Inneren gab es sogar einen Kamin, welcher dem Adel in der Loge zugestanden war. Dies stellt einen äußerst seltenen Umstand für eine Kirche dar.
Blick vom Kirchturm im Einsatz
Die Kirche stand seit Kriegsende jedoch verlassen, war in einem äußerst ruinösen Zustand und drohte zu verfallen. Die Warschauer Stiftung „Twoje Dziedzictwo“ (Dein Kulturerbe) nahm sich dem Gebäude an und engagiert sich seitdem (mit anderen Stiftungen z.B Erika Simon) für deren Erhalt. Das Dach wurde repariert und einige Fenster auch schon eingesetzt, um das Gebäude vor Witterung und somit einem weiteren Verfall zu schützen. Mit der Stiftung „Dein Kulturerbe“ wurde der durchgeführte Arbeitseinsatz im Vorfeld abgestimmt.

Als wir den Friedhof, welcher unmittelbar nebenan gelegen ist, in den Morgenstunden das erste Mal in Augenschein nahmen, machte sich zunächst Ernüchterung breit. Der Anblick glich einem mitteleuropäischen Urwald und es stellte sich die Frage wo wir zuerst anfangen.

Nach Beratschlagung wurde sich entlang der südlichen Friedhofsmauer vorgearbeitet.
Mit Macheten und Astscheren konnte zunächst umfangreich ausgelichtet sowie Freiraum geschaffen werden, um dann die langsam hervortretenden Grabsteine von jahrzehntelanger Laubschicht zu befreien. Einige „Bewohner“ wurden hierbei aus ihrem bezogenen Winterquartier aufgescheucht. 

Nach anschließender Säuberung der Grabstellen machten wir uns daran die umgestoßenen Grabsteine wiederaufzurichten, zu säubern und ihrem ursprünglichen Standort zuzuordnen.
Leider ist von den bisher freigelegten Grabsteininschriften verhältnismäßig wenig erhalten, da diese nach Kriegsende minutiös zerstört wurden. Umso erfreulicher war es für die Anwesenden, daß doch der ein oder andere Grabstein im Original aufgefunden und durch das Aufstellen den Verstorbenen ein Stück Ehre zurückgegeben werden konnte.
Welch rohe Kräfte gewaltet haben müssen ist nicht nachvollziehbar, wenn man die Entfernung zwischen Fund - und Originalstandort einiger Grabsteine, aufgrund ihres zentnerschweren Gewichts, betrachtet.
IMG_20191101_113210IMG_20191101_153013
Jener Umstand stellte den Arbeitseifer der Ehrenamtler beim Wiederaufstellen weiterer Grabsteine vor eine enorme Probe. Mit Willenskraft, technischem Gerät und gemeinsamen Einsatz wurden jedoch auch diese Hürden genommen.
IMG-20191102-WA0063
Folglich konnte an beiden Tagen so gut wie der halbe Friedhof ausgelichtet und die ursprünglichen Sichtachsen freigelegt werden. Zudem konnte ein Teilstück komplett gesäubert und mit den vorhandenen Möglichkeiten wiederhergerichtet werden.

Demnach können alle Beteiligten Stolz auf das innerhalb der kurzen Zeit Erbrachte sein.
Schön wäre es für jene, wenn der ein oder andere Familienangehörige oder auch Gleichgesinnte darauf aufmerksam werden würde.

Eine tatkräftige Unterstützung bei der Fortführung derartiger Projekte ist grenzüberschreitend erwünscht. So kann jeder weitere Mitstreiter ebenso dazu beitragen den Verstorbenen ein gewisses Maß an Ehre zurück zu geben und ein Stück Kulturerbe wiederherzustellen.

Eine Kontaktaufnahme kann ganz einfach über die Ansprechpartner der Landsmannschaft, LV Sachsen erfolgen.

Robert Wollny

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Ein unbekanntes Soldatengrab in Lasisk- Bericht vom 16.09.2019

Ashampoo_Snap_2019.10.26_16h05m46s_004_

Rosa Lamm, 1934 geboren- links
Hedwig Giemza, 1931 geboren- Mitte
Karl Kozlik, 1932 geboren- rechts
Für den 16.09.2019 hatte unser Mitglied aus Groß- Strehlitz/OS eine Zusammenkunft mit Zeitzeugen zu einem Soldatengrab in Lasisk (Gemeinde Himmelwitz) organisiert. So trafen wir uns mit diesen zu einem Gespräch und zum Besuch des Grabes.
Karl Kozlik und Rosa Lamm erzählten von den Tagen um den 20. Januar 1945. Es herrschte starker Frost (ca.-30 Grad) und es lag ca. 20 cm Schnee. Im Dorf wohnten nur Kinder, Frauen und alte Leute. Die Männer befanden sich alle im Krieg. Nach dem Russeneinfall fanden die Jugendlichen aus dem Dorf fünf Leichen von deutschen Soldaten im Wald- Richtung Kolonowska. Sie waren erschlagen worden, nicht erschossen. Ihre Gesichter waren schlimm zugerichtet, sie waren barfuß. Die Russen hatten den jungen Soldaten die Stiefel und Strümpfe ausgezogen und mitgenommen.  Aus dem Dorf hatten die Russen auch fast alle Pferde kassiert. Es gab nur noch ein Pferd. Mit ihm und einem Wagen wurden die Toten aus dem Wald geborgen. Der damalige Ortsvorsteher Guzik war dabei und sicherte die Papiere und Erkennungsmarken der Soldaten. Papiere und Marken sind vermisst. Der Ortsvorsteher verwahrte sie, seine Familie wußte nicht wo. Durch die Polen wurde er später eingesperrt, gefoltert und kurz vor dem Tode entlassen. So blieb es ein Geheimnis, wo die Habseligkeiten der Soldaten geblieben sind. Die Mutter von Rosa Lamm war eine kluge Frau, wußte sehr viel und erzählte, daß ein Soldat aus Hamburg, einer aus Köln sei… Bei milderen Temperaturen wurde von den alten Männern und den Jugendlichen eine mindestens 2 m tiefe Grube gegraben. Das war wegen des sandigen Bodens nötig. Man mußte in festen Boden das Grab schachten. Vermutlich im März 1945 wurden die Soldaten dann begraben. Der Jugendliche Ewald Putzig (+) sprang dabei noch einmal ins Grab und zog den Soldaten Mützen auf die Gesichter, da sie schlimm anzusehen waren und keiner es fertigbrachte, den Soldaten die Erde auf die Gesichter zu werfen. Es war für alle Beteiligten sehr traurig, daß die Soldaten nicht im Sarg begraben werden konnten. Das Grab wurde verschlossen und anfänglich mit einem Holzkreuz gekennzeichnet, welches die Brüder von Karl Kozlik besorgten. Die jetzige Grabeinfassung und Kreuz wurde von Elisabeth Czetsch gespendet. Auf diesem Grab steht jetzt irrtümlich der Satz „Hier ruhen in Gott drei deutsche Soldaten- Opfer des Krieges, ermordet 1945 von der Roten Armee“. Es befinden sich nach übereinstimmenden Zeugenaussagen fünf Soldaten im Grab. Frau Lamm erzählte, daß man in den 1960-er Jahren die Soldaten bergen wollte und dort grub. Es wurde jedoch zu wenig tief gegraben, so wurden sie nicht gefunden. In der Zeit der polnischen Kommunistenherrschaft war das Grab dem Schuldirektor Habrat ein Dorn im Auge. Immer wieder äußerte er sich abfällig über die Deutschen und wollte von den Kindern wissen, wer das Grab pflegte. Keines verriet es ihm. Die deutsche Bevölkerung hielt zusammen. An einem Tag war das Grab mit Unrat bedeckt, die Blumen ausgerissen. Man vermutete den Schuldirektor hinter der Tat. Das Grab wurde sofort wieder gesäubert und bepflanzt. Gepflegt hat es all die Jahre Frau Rosa Lamm. Nach ihrer Ausreise nach Deutschland übernahmen es andere Dorfbewohner, vor allem aber Frau Czetsch.
Bei dem Zeitzeugengespräch war auch Frau Hedwig Giemza dabei. Sie erzählte, daß sie und ihre Tante Gertrud Koston auch die Leiche eines deutschen Soldaten fanden und begruben. Bei einem Besuch des Priesters haben sie ihm davon erzählt. Er hat sich das Grab angeschaut und daraufhin die Familie des Toten benachrichtigt (1946). Er wurde dann geborgen und überführt.
Die Dorfgemeinschaft hat auch einen fast erfrorenen deutschen Soldaten gerettet. Man versteckte ihn vor den Russen im Speicher von Lasisk. Jeden Tag wurde er von einer anderen Familie mit Essen, Trinken versorgt. Er brauchte lange Zeit zur Erholung. Ihm gelang dann die Heimkehr und er bedankte sich nach dem Krieg bei den Dorfbewohnern.
In Absprache mit den Zeitzeugen wollen wir das Grab dem „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ melden. Als Ansprechpartner wird unsere Silvia Koziolek- Beier fungieren. Der Volksbund wird sicher seine polnische Partnerorganisation mit der Umbettung beauftragen. Anschließend werden die sterblichen Überreste auf einem großen Sammelfriedhof des Volksbundes in Polen beigesetzt. Als LM Schlesien- LV Sachsen wollen wir die dann ehemalige Grablage erhalten und mit einer aktuellen Gedenktafel und einer neuen Sitzbank ergänzen. Eine Inschrift könnte lauten: „Im Gedenken an fünf unbekannte deutsche Soldaten, Opfer des Krieges, ermordet von der Roten Armee, geborgen und würdig bestattet von der Zivilbevölkerung in Lazisk, die über viele Jahrzehnte ihre Ruhestätte liebevoll pflegte, umgebettet am…. auf die Kriegsgräberstätte in…. Ruhet in Gott.“ Evtl. könnte man eine kleine Plakette mit den Sponsoren an der Rückseite anbringen. Vielleicht beteiligt sich Lazisk oder ein paar Privatpersonen aus dem Ort mit an den Kosten, die Pflege des Denkmals könnten junge Leute übernehmen….. Das wird aber schon wieder eine andere Geschichte.
Dresden, 19.09.2019                                                                                                        Friedemann Scholz

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Nach 73 Jahren- Die Rückkehr von Wilhelm Hentschel
Im Zusammenhang mit dem Besuch des Erntedankfestes in Nahrten durch Mitglieder unseres Landesverbandes soll hier auch eine berührende Geschichte erzählt werden.
Unser Mitglied Marko Hanisch suchte im Jahre 2016 den Kontakt zu den Bewohnern des Elternhauses seiner Urgroßmutter Berta Hanisch, geb. Hentschel, in Hengwitz/ Pluskau. Nach einigen Anläufen konnte er das Haus der Familie Hentschel besuchen. Es entwickelte sich eine freundschaftliche Beziehung zu den jetzigen Hausbewohnern. Bei einem Besuch des Hauses seiner Uroma zeigten ihm die Bewohner die alte Grabtafel von Wilhelm Hentschel, die immer ihren Platz auf dem Dachboden im Haus hatte. Welch große Überraschung für unser Mitglied, was für eine kostbare Erinnerung an seine Familiengeschichte!
In diesem Jahr wurde ihm das Angebot gemacht, die Grabplatte mit nach Oberlichtenau zu nehmen. Sehr gern nahm er das Angebot an. Das Erntedankfest in Nahrten bot jetzt die Gelegenheit, das schwere Stück Familiengeschichte, mitzunehmen. Am 18. August wurde das Vorhaben umgesetzt. Dabei erzählte die Besitzerin, daß sie mehrmals im Haus die Erscheinung eines großen Mannes als Soldat gesehen hat. Sie fragte Marko, ob hier ein Wehrmachtssoldat wohnte, der groß gebaut war. Das konnte er bezeugen. Auf seinen Onkel Willi Hentschel traf die Beschreibung zu. Er fiel in Rußland. Die Besitzerin brachte die Erscheinungen mit der Grabplatte im Haus in Verbindung und wollte diese nun an die echten Nachfahren übergeben. Sie hofft nun, daß die Erscheinung nicht mehr kommt, der Soldat nicht mehr hinter ihr oder an ihrem Bett steht.   
Bei dieser Geschichte bekommt man unweigerlich eine Gänsehaut. Gesprächsthema in der Familie Hanisch wird das immer bleiben. Die Geschichte zeigt aber auch, daß die Besitzerin nach 1945 die Grabplatte würdevoll aufbewahrt hat und sie nicht der allgemeinen Zerstörungswut zum Opfer fiel. Es gab und gibt eben Menschen, die noch Achtung vor den vertriebenen deutschen Einwohnern und dessen Erbe haben. Das ehrt auch diese Besitzerin des ehemaligen Hentschel- Hauses.
Die Inschrift der Grabplatte lautet:
Hier ruht im Herrn
Unser geliebter Sohn und Bruder
der Freistellenbesitzer
Wilh(elm) Hentschel
aus Akreschfronze*
geb. d. 13.Mai 1867
gest. d. 8.September 1894
Ruhe sanft! 
* Akreschfronze bei Herrnstadt im Kreis Guhrau/ Schlesien, Kirchspiel Kirchlinden.
Nachtrag: Die Besitzerin des Hauses erzählte eine weitere Geschichte. Im Garten des Hauses wird ein Beet nur mit Blumen bepflanzt, da dort jemand begraben liegt. Woher die Information stammt, ob sie war ist……. Vielleicht sollte man hier dem „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ einen Tipp geben?
F. Scholz

IMG-20180818-WA0018 (002)

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Die Landsmannschaft Schlesien- Landesverband Sachsen/ Schlesische Lausitz ist dem Förderverein Stadthalle Görlitz e.V. beigetreten. Wir unterstützen damit das Ziel des Fördervereins, Erhalt, Sanierung und Modernisierung der denkmalgeschützten Stadthalle samt Stadthallengarten. Außerdem wird die Wiederbelebung der Schlesischen Musikfestspiele in der Stadthalle angestrebt. In Zukunft informieren wir auf unserer Netzseite auch über die vielfältigen Aktivitäten des Fördervereins. Gern stellen wir Interessierten den Kontakt zum FöV her.

 

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Informationen zu Aktivitäten zur Unterstützung der Stadthalle in Görlitz
 

Förderverein Stadthalle Görlitz e.V. www.stadthallenverein.de und die Stiftung http://www.stadthallenstiftung-goerlitz.de
 

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Bei Interesse an Informationen über die gesamte Arbeit der Heimatvertriebenen in Sachsen, an Zeitzeugenberichten und Ausstellungen besuchen Sie bitte auch folgende Seiten:
www.vertriebene-in-sachsen.de
http://zeitzeugenberichte.vertriebene-in-sachsen.de

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

                   Snap_2018.04.25 08.54.40_001

 

 

Landsmannschaft Schlesien
Landesverband Sachsen - Schlesische Lausitz e.V.

Logo-oben

 

Landsmannschaft Schlesien -Landesverband Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.
Friedemann Scholz; Wöhlerstraße 22; 01139 Dresden; Telefon: 0351- 8482900; Fax: 0351- 8483071;
kontakt.lmslvsn@gmail.com

 


Randunten
IMG_2273
IMG_2284
img070
img079
IMG_0815
img074