Mitglieder des Landesverbandes der LM Schlesien zum Erntedankfest 2018      in Nahrten, Landkreis Guhrau

Einige Einzelmitglieder unserer LV pflegen seit ein paar Jahren regelmäßige Kontakte in den Landkreis Guhrau. Deren Eltern und Großeltern stammen aus diesem Teil Schlesiens und sie haben sich mit den derzeitigen Bewohnern ihrer ehemaligen Elternhäuser angefreundet. Teilweise besuchen sich die Familien jetzt untereinander. Aufgrund dieser positiven Erfahrungen wurde von Seiten der Gemeinde Nahrten der Wunsch geäußert, bei deren diesjährigem Erntedankfest am 18. August anwesend zu sein und uns mit einem Verkaufsstand zu beteiligen. Seit einem halben Jahr liefen die Vorbereitungen für diesen Tag. Mit unserem Auftritt wollten wir auch ein Projekt der Gemeinde unterstützen. Es gibt in einem zugehörigen Dorf der Gemeinde einen neu gegründeten Verein, die "Zukunftswerkstatt Lanken (Lekanow)“, die für Kinder- und Jugendarbeit zuständig ist. Deren Arbeit sollte vom Verkaufserlös unseres Standes profitieren. Wir entschieden uns zum Betrieb eines „Bratwurststandes“. Das Ehepaar Pusch von der „Alten Säge“ in Dorf Wehlen leistete die größte Zuarbeit bei diesem Projekt. Über 300 handgemachte Bratwürste und die zugehörigen Semmeln wurden von ihnen bereitgestellt. Hierfür auch an dieser Stelle einen herzlichen Dank und „Vergelt`s Gott“ für ihre Arbeit und wunderbare Unterstützung.
Am 17.08. reiste die erste Gruppe unserer Mitglieder voran und übernachtete in einer Pension in Tarpen. An Bord den Gasgrill, Propangas, Verkaufspavillon, Wurstzangen usw. Am Sonnabend früh startete die zweite Gruppe mit den Bratwürsten und frisch gebackenen Semmeln. Am Vormittag wurde auf dem Festgelände der Verkaufspavillon aufgebaut. Ab 14 Uhr waren dann alle auf dem Festgelände und die ersten Bratwürste kamen auf den Grill. Unseren Stand kennzeichneten wir auch mit einem Schreiben, welches den „guten Zweck“ unseres Bratwurstverkaufes erklärte. Das Fest konnte beginnen.
Nach 15 Uhr kamen die Besucher der Messe aus der Kirche, der Festzug mit den verschiedenen Erntekronen der Dörfer erreichte den Festplatz. Gegen 16 Uhr eröffnete die Bürgermeisterin das Erntedankfest. Ein Brot wurde in kleine Stücke geschnitten, gesegnet und an alle Besucher verteilt. Wie bei solchen Festen üblich wurden auch verschiedene Kulturdarbietungen auf der Bühne gezeigt, die sich den ganzen Tag hinzogen. Die ersten Bratwüste fanden ihre Käufer. Die Neugier auf deutsche, hausgemachte Wurst war deutlich zu spüren. Im Vorfeld hatten wir uns nach ortstypischen Preisen für unsere Würste erkundigt und waren erstaunt, daß 10 Zloty (ca. 2,50€) dafür gezahlt werden. Bis 21.30 Uhr betrieben wir unseren Stand und konnten im Anschluß dem obengenannten Verein 200 Zloty übergeben. Freude und Dank an uns waren groß. Ein noch besseres Ergebnis verhinderte der laufende Kommunalwahlkampf. Sowohl die amtierende Bürgermeisterin als auch ein Herausforderer überboten sich mit „Wahlgeschenken“ in Form von kostenfreiem Essen. Hier Bigosch und Erbsensuppe, da acht große Schweine vom Spieß. Dieses Erntedankfest in Nahrten soll zu einem festen Termin im Programm unserer Landsmannschaft ausgebaut werden. Es war ein Anfang, vieles kann noch optimiert und im Vorfeld abgeklärt werden. Das Lob der Erntedankfest- Besucher zu Geschmack und Qualität der von uns angebotenen Wurst als auch der herzliche Dank und die große Freude für die (aus unserer Sicht, geringen) Spende an den Verein „Zukunftswerkstatt Lanken“ bestärkt uns im Weitermachen. Mit sehr hoher Einsatzbereitschaft, viel persönlicher Freizeit und gespendetem Geld wird hier wiederum ein neues Projekt durch Mitglieder des LV der LM Schlesien angestoßen. Es zeigt deutlich, wie die Arbeit der Landsmannschaft in Zukunft fortgesetzt werden kann. Mit Projekten in der alten Heimat unserer Eltern, in Zusammenarbeit mit interessierten Bürgern vor Ort, ist eine lebendige Vereinsarbeit möglich.  Für die meisten unserer teilnehmenden Mitglieder und Freunde war der Besuch in Nahrten auch das Kennenlernen eines unbekannten Stück Schlesiens und seiner derzeitigen Bewohner. Das Guhrauer Land ist eine Gegend, die noch nicht vom großen Wirtschaftswachstum in Polen profitiert. Hier sieht man doch viel Armut, in den Dörfern verfallen viele Häuser unserer Vorfahren. Doch es gibt auch hier schon erste Zeichen von Wohlstand, vor allem in Form von neugebauten Eigenheimen.

21.08.2108, Friedemann Scholz

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Mitglieder und Freunde des LV der LM Schlesien vor ihrem Einsatz

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Festgelände in Nahrten                 Die ersten Bratwürste sind fertig (unten)

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Nach 73 Jahren- Die Rückkehr von Wilhelm Hentschel
Im Zusammenhang mit dem Besuch des Erntedankfestes in Nahrten durch Mitglieder unseres Landesverbandes soll hier auch eine berührende Geschichte erzählt werden.
Unser Mitglied Marko Hanisch suchte im Jahre 2016 den Kontakt zu den Bewohnern des Elternhauses seiner Urgroßmutter Berta Hanisch, geb. Hentschel, in Hengwitz/ Pluskau. Nach einigen Anläufen konnte er das Haus der Familie Hentschel besuchen. Es entwickelte sich eine freundschaftliche Beziehung zu den jetzigen Hausbewohnern. Bei einem Besuch des Hauses seiner Uroma zeigten ihm die Bewohner die alte Grabtafel von Wilhelm Hentschel, die immer ihren Platz auf dem Dachboden im Haus hatte. Welch große Überraschung für unser Mitglied, was für eine kostbare Erinnerung an seine Familiengeschichte!
In diesem Jahr wurde ihm das Angebot gemacht, die Grabplatte mit nach Oberlichtenau zu nehmen. Sehr gern nahm er das Angebot an. Das Erntedankfest in Nahrten bot jetzt die Gelegenheit, das schwere Stück Familiengeschichte, mitzunehmen. Am 18. August wurde das Vorhaben umgesetzt. Dabei erzählte die Besitzerin, daß sie mehrmals im Haus die Erscheinung eines großen Mannes als Soldat gesehen hat. Sie fragte Marko, ob hier ein Wehrmachtssoldat wohnte, der groß gebaut war. Das konnte er bezeugen. Auf seinen Onkel Willi Hentschel traf die Beschreibung zu. Er fiel in Rußland. Die Besitzerin brachte die Erscheinungen mit der Grabplatte im Haus in Verbindung und wollte diese nun an die echten Nachfahren übergeben. Sie hofft nun, daß die Erscheinung nicht mehr kommt, der Soldat nicht mehr hinter ihr oder an ihrem Bett steht.   
Bei dieser Geschichte bekommt man unweigerlich eine Gänsehaut. Gesprächsthema in der Familie Hanisch wird das immer bleiben. Die Geschichte zeigt aber auch, daß die Besitzerin nach 1945 die Grabplatte würdevoll aufbewahrt hat und sie nicht der allgemeinen Zerstörungswut zum Opfer fiel. Es gab und gibt eben Menschen, die noch Achtung vor den vertriebenen deutschen Einwohnern und dessen Erbe haben. Das ehrt auch diese Besitzerin des ehemaligen Hentschel- Hauses.
Die Inschrift der Grabplatte lautet:
Hier ruht im Herrn
Unser geliebter Sohn und Bruder
der Freistellenbesitzer
Wilh(elm) Hentschel
aus Akreschfronze*
geb. d. 13.Mai 1867
gest. d. 8.September 1894
Ruhe sanft! 
* Akreschfronze bei Herrnstadt im Kreis Guhrau/ Schlesien, Kirchspiel Kirchlinden.
Nachtrag: Die Besitzerin des Hauses erzählte eine weitere Geschichte. Im Garten des Hauses wird ein Beet nur mit Blumen bepflanzt, da dort jemand begraben liegt. Woher die Information stammt, ob sie war ist……. Vielleicht sollte man hier dem „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ einen Tipp geben?
F. Scholz

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