Reise nach Breslau zum Festival der Deutschen Minderheit 2018

Nachdem der Termin des Festivals der Deutschen Minderheit in diesem Jahr keine Resonanz beim LVS und den verschiedenen BdV- Gliederungen in Sachsen fand, konnte kurzfristig doch noch eine geführte Fahrt mit finanzieller Förderung durch das Innenministerium organisiert werden. Die BdV Gruppe in Leipzig entschied sich dann ebenfalls kurzfristig zu einer Fahrt nach Breslau. Das Festival findet nur aller drei Jahre stand und sollte ein fester Bestandteil der Planungen aller Vertriebenenverbände sein. Da Breslau auch noch eine Partnerstadt Dresdens ist, hat eine Teilnahme aus unserer Sicht Vorrang vor anderen Projekten.
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Am 21. September fuhren Mitglieder des Vereines „Erinnerung und Begegnung“, des Landesverbandes der LM Schlesien sowie einige interessierte Freunde nach Breslau. Treffpunkt war der „Schlesische Platz“ in Dresden, wo der Kleinbus (20 Plätze) startete. In Ohorn stiegen noch einige Mitfahrer zu. Die Fahrt verlief reibungslos- bis kurz vor Breslau. Dort bescherte uns ein Stau eine 60- minütige Verzögerung. So erreichten wir unser Hotel „Campanile- Zentrum““ erst gegen 20.45 Uhr. Nach dem Zimmerbezug ging es zum Abendessen und es wurde entschieden, den geplanten Vortrag von Frau Koziolek- Beier zu verschieben. Da aber die Leipziger Gruppe um Peter Wolf (reiste mit eigenem Bus an) extra wegen diesem Vortrag in unser Hotel kam und strikt gegen eine Verschiebung war, wurde der Programmpunkt doch beibehalten. Gegen 22.15 begann der sehr interessante Vortrag von Frau Koziolek- Beier zur Lage der Deutschen Minderheit in Polen. Einen breiten Raum nahm die Entwicklung der Minderheit nach der politischen Wende 1989/90 ein. Nach der Gründung der Deutschen Gesellschaften und dem Aufbruch, wurden jedoch viele Fehler gemacht. Diese hemmen eine gute Weiterentwicklung. Ein Ärgernis ist u.a. das Verhalten der meisten Deutschen in der Öffentlichkeit. Meist sprechen sie polnisch untereinander und verstecken so ihr Deutschtum. Nach ein paar Fragen und Diskussionsbeiträgen der Zuhörer mussten wir gegen 23.30 Uhr das Restaurant räumen. Es wurde einfach das Licht gelöscht… Wir konnten nicht wissen, daß 23 Uhr offiziell geschlossen wird. Noch eine negative Erfahrung möchten wir erwähnen. Beim Singen des Schlesierliedes beschwerte sich eine Polin über den zu lauten Gesang.

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Am Sonnabend ging es nach einem guten Frühstück in den Breslauer Dom zur Heiligen Messe, die in deutscher Sprache abgehalten wurde. Mir hat als Lutheraner, die Messe sehr gefallen. Sie war feierlich mit ihrer Predigt und Liedern. Der Dom war überfüllt mit gläubigen und interessierten Menschen. Vom Dom ging es dann direkt in die Jahrhunderthalle, wo 12 Uhr das Kulturfestival eröffnet wurde. Auf dem Weg dahin fiel vielen von uns das Gehörte vom Vorabend ein. Im Dom waren wir von Deutschen und deutscher Sprache umgeben, jetzt hörte man nur noch polnisch. Die Eröffnungsreden brachten keine neuen Erkenntnisse, sie werden so auch bei uns gehalten. Als der einzige Repräsentant der Deutschen Minderheit im polnischen SEJM das Wort ergriff, erinnerten wir uns erneut an die Worte von Frau Koziolek- Beier. Ryszard Galla sprach kein einziges deutsches Wort, obwohl er die Deutschen repräsentieren soll. Das ist doch mehr als peinlich. Wird so ein Vertreter der Deutschen eigentlich im Sejm akzeptiert oder mitleidig belächelt? Warum wird so ein Vertreter überhaupt entsandt?  Nach der Eröffnung des Festivals begann das reichhaltige Kulturprogramm. Aller 15 Minuten wechselten sich Chöre, Tanzgruppen, Blasorchester, Solisten aus Schlesien, Pommern, Ostpreußen und Ostbrandenburg mit ihren Darbietungen ab. Ein bunter Reigen kultureller Vielfalt. Im Kaisersaal der Jahrhunderthalle gab es zusätzlich noch ein Begleitprogramm, u.a. mit Zeitzeugengesprächen „1945- unsere Geschichten“. Im Flur der Halle waren zahlreiche Stände von Deutschen Sozial- Kulturellen Gesellschaften aus verschiedenen Landesteilen, Stände verschiedener Institutionen, kleine Ausstellungen, aufgebaut. Der BdV Thüringen war auch vertreten. Wir sollten diese Möglichkeit zukünftig auch für uns nutzen. Das Festival war gut besucht. 5000 Zuschauer allein in der großen Halle, dazu viele Menschen in den Gängen und im Außengelände der Jahrhunderthalle. Dort gab es die meisten Stände, um Hunger und Durst zu stillen. Sachsen war gut vertreten. Außer unserer und der Leipziger Reisegruppe trafen wir auch noch 15 Personen aus Hoyerswerda. Der Außenbereich der Jahrhunderthalle bezauberte allein schon mit seinen Wasserspielen Jede Stunde wurden diese nach einer anderen Melodie gesteuert. Besonders beeindruckend wirkten die Wasserspiele in der Dunkelheit, da wurden die Fontänen beleuchtet. Den Abschluß des Abends und Festivals gestaltete diesmal Stefanie Hertel mit einem Konzert. Man muß kein Freund ihrer Musik sein. Es ist ihr aber hoch anzurechnen, daß sie in Breslau auftrat und Breslau und Schlesien offen aussprach. Gegen 21 Uhr endete das erlebnisreiche Fest in der Jahrhunderhalle. Der Abend ließen wir ruhig in der Hotel- Bar ausklingen.
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Der Sonntag begann erneut mit einem guten Frühstück, Anschließend fuhren wir in die Breslauer    St. Christophori- Kirche. Dort nahmen wir an der evangelischen Messe teil, die auch in deutscher Sprache gehalten wurde. In Breslau gibt es ca. 1000 evangelische Gläubige, deren geistliche Heimat die gleichnamige Gemeinde ist. Nach dem Gottesdienst nahmen wir Abschied von Breslau und fuhren nach Bunzlau. Im Restaurant „Pyramide“ wurde das Mittagessen eingenommen. Später fuhren wir zur Stadtmitte. Prof. Haim, der als Reiseteilnehmer dort seine Wurzeln hat, führte uns bei einem Stadtrundgang zu ereignisreichen Stätten. Begonnen wurde beim Martin-Opitz Denkmal, welches auf privatem Boden entstand- die Stadt wollte es nicht am Ring(!). Wir sahen Prof. Haims Elternhaus, das Kutusow- Denkmal, das Rathaus und Ring. In Bunzlau hat man das Gefühl, die polnischen Verantwortlichen lassen die Stadtgeschichte erst 1945 beginnen. Das liest man jedenfalls auf der Wetterfahne des Rathausturmes. Mit seiner lebendigen Schilderung der damaligen Zeit fesselte Prof. Haim uns alle. Sicher könnte man einen ganzen Tag seinen Erlebnisberichten lauschen . Doch mehr Zeit stand nicht zur Verfügung. Es wurde Zeit, die Heimreise anzutreten. Nach einem kurzen „Verpflegungs- Stopp“ ging es dann hinein in den Regen, hinein nach Deutschland. 18 Uhr erreichten wir den Schlesischen Platz wieder und zerstreuten uns ganz schnell, es regnete Bindfäden. Danken möchten wir ganz besonders Herrn Hartmut Roth für die Organisation der Reise, Herrn Friedrich Zempel für das Einwerben von Fördergeldern für diese Reise und dem Innenministerium in Sachsen für die Bereitstellung der finanziellen Förderung.

Friedemann Scholz

 

 

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